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InterNICHE Co-ordinator
Nick Jukes
42 South Knighton Road 
Leicester LE2 3LP 
England 

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coordinator@interniche.org



Der größere Nutzen einer humanen Ausbildung

Ökologisches Weltbild und gesellschaftliche Verantwortung

Die vielfältigen, negativen Auswirkungen von tiermissbrauchenden Lehrmethoden zu erkennen, ist nur ein Teil der Entwicklung (oder vielleicht Wiedergewinnung) eines tieferen ökologischen bzw. holistischen Bewusstseins von gegenseitigen Beziehungen und der Verantwortlichkeit für die eigenen Handlungen. Das Verhältnis zwischen einem Grundsatz oder der Wahl einer Lehrmethode auf der einen Seite und deren pädagogischen, sozialen sowie Umweltauswirkungen auf der anderen Seite wird bei zunehmendem Bewusstsein immer deutlicher. Es wird daher immer schwieriger, das Vorhandensein von Zusammenhängen zu bestreiten.

Die Erkenntnis, dass man Teil einer internationalen Gesellschaft ist - dazu gehören sowohl Menschen als auch Tiere - ist zugleich beängstigend und befreiend: Beängstigend, da wir die Auswirkungen unseres Handelns in der Welt (das meiste davon ist negativ), unsere Verantwortung gegenüber anderen, und die vielen uns bevorstehenden Aufgaben immer mehr erkennen; befreiend, da wir mehr und mehr erkennen, wo und wie wir die negativen Beziehungen lösen und stattdessen einen positiven Einfluss ausüben können. Jede Entscheidung und Handlung hat vielfältige Folgen. Daher sollte eine ethisch vertretbare Wahl getroffen und Organisationsstrukturen eingerichtet werden, die das positive Potenzial erhöhen und das negative Potenzial reduzieren. Eine entwickelte Kultur zeichnet sich letztendlich durch ein individuelles und kollektives Engagement für echte progressive Veränderungen in der Gesellschaft aus.

Das ganze Bild im Auge zu behalten und sich dabei auf bestimmte Elemente konzentrieren zu können, oder nahtlos zwischen dem Gesamtbild und dem detaillierten Bild hin- und herzuschalten, ist eine wertvolle Fähigkeit. Für die sich auf Details konzentrierende Wissenschaft ist dies schwierig, da sie der einzelnen Elemente zuliebe eher die Gesamtheit ausblendet. Es ist daher üblich, Zusammenhänge (wie z.B. die negativen Auswirkungen von tiermissbrauchenden Lehrmethoden) und sogar das Vorhandensein ethischer Probleme (dass tiermissbrauchende Lehrmethoden ein Thema sind) zu bestreiten.

Im Gegensatz dazu setzen Studiengänge mit einem gut gestalteten Lehrplan viele Elemente aus verschiedenen Quellen ein, um eine effektive "Ganzheit" zu erzielen. Dabei ist für die Gestaltung ein Bewusstsein für die Einzelheiten sowie das gesamte Bild erforderlich. In einem Fingerspitzengefühl für die effektive Aneignung von Fertigkeiten, im Gestalten solcher Kombinationen tierverbrauchsfreier Methoden, mit denen der Lernprozess am effektivsten unterstützt werden kann, sowie in einem Bewusstsein für die vielfältigen Vorteile von tierverbrauchsfreien Methoden, wird ein ökologisches Weltbild widergespiegelt.

Für den Aufbau von wirklich umweltverträglichen Strukturen ist ebenfalls dieses Bewusstsein erforderlich. Durch das Ausarbeiten der richtigen Verbindungen und Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen in einem System kann der Bedarf des Systems überwiegend aus dem System selbst heraus gedeckt werden. Der Bedarf für die Ausbildung in Tieranatomie und -chirurgie (ethisch erworbene Tierkadaver) und die vorhandenen Ressourcen (eingeschläferte Tiere von Ausbildungskliniken oder örtlichen, unabhängigen Kliniken) können beispielsweise durch Tierspendenprogramme verknüpft werden. Die Qualität der Beziehungen kann z.B. mit einer guten Beratung der Klienten auf der einen und effektiven Lagerstrategien auf der anderen Seite noch weiter verbessert, und damit Nachhaltigkeit gefördert werden. Mit Hilfe von Drittmitteln gesunde Tiere "einzukaufen", um den Bedarf zu decken, ist keine nachhaltige Lösung; und tatsächlich gibt es in Ländern, in denen die staatliche Finanzierung zusammengebrochen ist, manchmal einen Mangel an Tieren im Bildungswesen. Mit einem ökologischen Bewusstsein verbundene tierverbrauchsfreie Lehrmethoden bieten daher völlig ethische Lösungen, die zu einer nachhaltig gesunden Entwicklung beitragen.

Ethik und Macht

Die Geschichte der humanistischen Bewegung veranschaulicht die gegenseitigen Beziehungen zwischen den gesellschaftlichen Bewegungen und zwischen den verschiedenen Formen von Diskriminierung und Ausbeutung. Einige Sozialreformer in Großbritannien engagierten sich zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts neben den Rechten für Kinder auch für den Tierschutz, und mehrere der ersten Feministinnen setzten sich auch für eine vegetarische Lebensweise oder für Tierschutzreformen ein. Bereits davor wurden Verbindungen zwischen Tierrechts- und Anti-Sklaverei-Kampagnen hergestellt. Heute erkennen viele humanistische Ausbildungsgruppen, die mit Kindern arbeiten, deutlich, dass die Erziehung zu humanem Handeln und die Ermutigung zum kritischen Denken und zur Übernahme persönlicher Verantwortung mehrere Vorteile bieten, die sich auf jeden Einzelnen, die Tiere und die Gesellschaft im Allgemeinen auswirken. Im Rahmen des biowissenschaftlichen Unterrichts für Erwachsene befasst sich die humane Ausbildung mit den gleichen Themen, jedoch intensiver und speziell mit dem Problem, wie Fachwissen und spezifische Fertigkeiten auf eine Weise erworben werden können, die sowohl für die Tiere als auch für den Studierenden human ist.

Die tiermissbrauchenden Lehrmethoden im Bildungswesen sind nichts anderes als eine Form der Ausbeutung. Wenn man die in allen Gesellschaftsbereichen praktizierte Ausbeutung von Tieren mit häuslicher Gewalt, Sexismus, Rassismus und Imperialismus vergleicht, wird deutlich, dass sie alle ähnliche Rechtfertigungen, Antriebskräfte, Strategien und Instrumente verwenden, und dass all diesen Erscheinungen die Dominanz über die jeweils "Anderen" zugrunde liegt. Sie beeinflussen sich daher gegenseitig. Wenn man also eine Form der Ausbeutung in Frage stellt, hat dies auch Auswirkungen auf die anderen. Somit ist der Ersatz von tiermissbrauchenden Lehrmethoden im Bildungswesen ein Teil einer umfassenderen, vielschichtigen Herausforderung gegen die ethisch unvertretbare Machtausübung gegenüber Anderen. Und wenn die Interessengemeinschaften zwischen verschiedenen kritischen Bewegungen genutzt werden, so wird das Potenzial für eine radikale Änderung noch weiter gesteigert.

Das Aufgeben des "Privilegs", Tiere für Experimente benutzen zu können, bedeutet jedoch nicht, dass Dozenten und Studierende dabei zurückstecken müssen. Immer wenn ausbeuterische Praktiken abgeschafft werden, wird sowohl der Ausgebeutete als auch der Ausbeutende ‚befreit'. Durch Auflösen des hierarchischen Machtverhältnisses gelangt man wieder in eine vielseitige Gesellschaft von Gleichgestellten zurück und gewinnt wieder etwas an Humanität. Eine solche Veränderung eröffnet zahlreiche neue Möglichkeiten, so auch die Entwicklung positiver Beziehungen zwischen Mensch und Tier und die Ausübung eines echten Multikulturalismus, der alles Lebende einschließt.

Zugangsmöglichkeiten und Bürgerrechte

Der allgemeine Zugang zur Hochschulbildung trägt zur gesellschaftlichen Integration bei und wirkt sich positiv auf die Bürgerrechte aus. Regierungen bekunden immer öfter, dass sie den allgemeinen Zugang zur Hochschulbildung unterstützen und arbeiten politische Richtlinien dazu aus. Ein echtes Engagement dafür fehlt jedoch und nach wie vor bestehen Hindernisse für einen wirklich allgemeinen Zugang. Tiermissbrauchende Lehrmethoden schränken die Zugangsmöglichkeiten und die Entwicklung einer Diversität im Bildungswesen ein, indem Frauen, Personen mit bestimmtem religiösen Glauben oder spirituellen Ansätzen sowie kritisch denkende, ethisch engagierte und sensible Männer und Frauen dadurch diskriminiert werden.

Frauen sind im wissenschaftlichen und biowissenschaftlichen Bildungswesen bereits unterrepräsentiert. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex, jedoch spielen Selbstwahrnehmung in Hinsicht auf die eigenen Fähigkeiten, die stereotypischen maskulinen Werte, die in der Wissenschaft vorherrschen, sowie die Diskriminierung am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Auch tiermissbrauchende Praktiken spielen eine Rolle beim Ausschluss von Frauen aus der Ausbildung und daher auch von den akademischen Berufen: Reports und individuelle Erfahrungsberichte aus den USA lassen darauf schließen, dass eine Verweigerung von tiermissbrauchenden Praktiken öfter von jungen Frauen als von jungen Männern erfolgt2. Dies ist jedoch von Land zu Land und je nach Situation unterschiedlich. Fest steht, dass sehr viele Frauen und einige Männer sich gegen biowissenschaftliche Studiengänge entschieden haben, weil sie ihre ethischen Grundsätze oder ihre Sensibilität durch eine Beteiligung an Tierversuchen nicht verletzen wollten. Eine weitere Diskriminierung, die zum Ausschluss vieler Frauen und Männer führt, geschieht, indem die Relevanz oder der Wert des emotionalen Bereichs in den Biowissenschaften bestritten wird.

Dies sind alles Probleme des gleichberechtigten Zugangs, da die betroffenen Studierenden an ihrer wissenschaftlichen Ausbildung und Karriere gehindert werden; zudem bleiben ihre Fähigkeiten und ihr Feingefühl der Wissenschaft vorenthalten. Für diejenigen, die bereits einen biowissenschaftlichen Studiengang belegen, können die akademischen oder psychologischen Nachteile, die oft mit einer Verweigerung einhergehen, die Chancen für ein Weiterkommen zerstören, oder sie erfordern Änderungen in den beruflichen Zielen der Studierenden, wenn im Wunschbereich keine tierverbrauchsfreien Methoden angeboten werden.

Studierende mit bestimmter Religion sind von vornherein diskriminiert, wenn tiermissbrauchende Lehrmethoden die Norm im Bildungswesen sind. Mitleid und Ehrfurcht vor dem Leben sind z.B. das grundlegende Prinzip des Jainismus. Den Jains wurde von einem spirituellen Führer im zwanzigsten Jahrhundert nahegelegt, dass sie aufgrund der Sezierung und Vivisektion, die zu dem Zeitpunkt in einigen Ländern erforderlich waren, nicht Medizin studieren sollten3. Die meisten anderen Religionen verfügen ebenfalls über starke ethische Elemente in ihrer Lehre, obwohl die tatsächliche Anwendung solcher ethischen Prinzipien weltweit oft zu wünschen übrig lässt. Der freie Hochschulzugang und Multikulturalismus werden durch die Diskriminierung derer eingeschränkt, die durch einen spirituellen oder anderen Glauben Ehrfurcht oder Respekt vor dem Leben haben.

Die Nutzung von Multimedia-Software und Internet-gestütztem Unterricht kann den Zugang für Studierende mit körperlichen Behinderungen oder anderen speziellen Bedürfnissen und Studierende im Fernunterricht ermöglichen, und viele tierverbrauchsfreie Methoden sind für solche Medien gut geeignet. Durch Unterricht, der mit einer Vielzahl an hochwertigen, besonders in Hinsicht auf die Lernziele ausgewählten Tools und Ansätzen gestaltet wurde, kann sich die Ausbildung in den Biowissenschaften besser an die vielfältigen Lernstile der Studierenden anpassen. Schließlich gewinnen Studiengänge, die eine qualitativ hochwertige und ethisch orientierte Ausbildung bieten, insgesamt an Attraktivität.

Viele Studierende haben keine andere Wahl, als an den tiermissbrauchenden Lehrmethoden der Praxisseminare teilzunehmen. Trotz der steigenden Anzahl an Wahlmöglichkeiten für Studierende, die auf Länderebene oder innerhalb einiger Institute bereits eingesetzt werden, haben Studierende in anderen Instituten formell immer noch kein Recht zur Verweigerung und keinerlei Möglichkeit, mit tierverbrauchsfreien Methoden zu studieren. Studierende, die tiermissbrauchende Lehrmethoden ablehnen, fühlen sich diskriminiert und in ihrer Gewissensfreiheit verletzt. Während einige das Studium abbrechen oder ihren Fachbereich ändern müssen, werden andere durch psychologische und akademische Nachteile oder deren Androhung ermutigt bzw. gezwungen, Sezierungen und Tierversuche mitzumachen.

Moralisch gesehen haben alle Studierenden das Recht, tiermissbrauchende Lehrmethoden zu verweigern und Zugang zu tierverbrauchsfreien Methoden zu erhalten. Internationale Richtlinien und Konventionen, nationale Gesetze, Zusatzartikel zur Verfassung und regionale oder kommunale Verordnungen setzen sich in der Regel für den freien Hochschulzugang und gegen eine Diskriminierung ein - zumindest in der Theorie. Werden diese Rechte nicht eingeräumt, so stellt die Diskriminierung einen Verstoß gegen die bürgerlichen Rechte der betroffenen Studierenden dar. Aktivisten für Studierenden- und Bürgerrechte können durchaus beschließen, ein Institut (oder ein Bildungsministerium) aufgrund der Verletzung der Gewissensfreiheit, religiöser Diskriminierung und Begrenzung der Zugangsmöglichkeit, einschließlich des Zugangs zur hochwertigen und ethisch vertretbaren Hochschulbildung, zu verklagen. Einige Fälle wurden bereits vor Gericht ausgetragen, besonders in den USA und in Deutschland. Dabei wurde das Urteil oft zugunsten der Wahrung der bürgerlichen Rechte gefällt.

Auswirkungen in der Praxis

Auswirkungen auf die Umwelt

Die Nutzung tierverbrauchsfreier Methoden beseitigt die meisten negativen Auswirkungen auf die Umwelt, die mit Praxisseminaren einhergehen, und geht mit die vorhandenen Ressourcen verantwortlich um. Ihr ökologisches Ausmaß ist bedeutend geringer als das von tiermissbrauchenden Methoden. Das Fangen, Züchten, Unterbringen, Töten, Konservieren und Transportieren von Millionen von Tieren jedes Jahr hat erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Dazu gehören die Umweltverschmutzung und die Störung von lokalen Ökosystemen, die Bedrohung gefährdeter Tierarten sowie der Verbrauch an Energie und anderen Ressourcen, die für den Transport, das Unterbringen und andere Aspekte bei der Verwendung von Tieren anfallen. 

Die Verwendung von Tieren, die in der freien Natur leben, hat zum Rückgang einiger Arten beigetragen, wie z.B. dem Leopardenfrosch und dem Ochsenfrosch in den USA. Der Dornhai wird weitverbreitet im Gymnasialunterricht verwendet, obwohl er zu den gefährdeten Tierarten gehört. Schildkröten und andere Tiere werden ebenfalls aus ihrem Lebensraum entnommen, getötet und für Ausbildungszwecke verwendet. Das Entfernen von Arten aus gesunden, nachhaltigen Ökosystemen kann diese stören, manchmal sogar unwiderruflich. Insbesondere Frösche können eine bedeutende Rolle in der Stabilität eines Ökosystems spielen, da sie sowohl Jäger als auch Beute sind. Wenn Frösche aus tropischen Ländern verwendet werden, ist es wahrscheinlich, dass der Insektenbestand im Fanggebiet bedeutend ansteigt und somit ein erhöhtes Malaria-Risiko für die Menschen darstellt.

Giftige Chemikalien wie Formaldehyd werden oft zum Präparieren der Millionen Tiere verwendet, die jedes Jahr insbesondere für die Sezierung getötet werden. Sie haben als Schadstoffe eine negative Auswirkung auf die Umwelt; so wurden bereits Fälle von Schadstoffbelastungen durch illegale Präparatentsorgung dokumentiert.

Auch die Erstellung und Verwendung von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden hat, genauso wie die meisten (jedoch nicht alle) menschlichen Aktivitäten, gewisse negative Auswirkungen auf die Umwelt. Die Herstellung von Computern zum Beispiel erfordert den Abbau und die Raffination von Öl für Plastik und Transport sowie von seltenen Erdelementen für Leiterplatten. Dieser Abbau hat bedeutende lokale und globale Auswirkungen auf die Umwelt und hat oftmals eine Verletzung der Menschenrechte derer zur Folge, die in der Nähe der unter Tage liegenden Ressourcen leben. Der Druck auf Unternehmen und Regierungen, die Menschenrechtsverletzungen zu stoppen, wird jedoch immer stärker, und die Auswirkungen von Abbau und Produktion auf die Umwelt könnten mühelos reduziert werden. Das ständige Aufrüsten von Computern erzeugt auch einen enormen Abfall, jedoch könnten Wiederverwendung und Recycling die Norm werden, wenn Einzelpersonen und Unternehmen die Verantwortung für ihren Abfall übernehmen würden.

Die Möglichkeit, Produkte für tiermissbrauchsfreie Lehrmaterialien wie z.B. Software, Videos und Modelle über viele Jahre hinweg wiederzuverwenden, würde bedeuten, dass keine neue Produktion erforderlich ist, und somit die Umweltfolgen der tiermissbrauchsfreien Lehrmethoden auf die anfängliche Produktion begrenzt wären. Die klinische Behandlung von Tierpatienten nutzt bereits vorhandene Ressourcen. Das Gleiche gilt für die Arbeit mit Tierkadavern mit natürlicher oder ethisch vertretbarer Todesursache. Letztere nutzt überdies Kadaver, die ansonsten verbrannt würden, was wiederum eine Umweltbelastung bedeutete.

Wirtschaftliche Vorteile

In Studien der Humane Society of the United States (HSUS, Gesellschaft zur Verhinderung von Grausamkeiten an Tieren in den USA)4 und dem Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM, Ärztekomitee für verantwortungsbewusste Medizin) wurden die wirtschaftlichen Kosten der Sezierung mit den tierverbrauchsfreien Lehrmethoden verglichen. Dabei stellte sich ein bedeutender Unterschied zugunsten der tiermissbrauchsfreien Methoden heraus. Der Erwerb von Software, Videos und Modellen ist in den meisten Fällen kostengünstiger als der Erwerb von Tieren - auf ein einziges Jahr gesehen - für die Praxisseminare. Da sie in der Regel auch in den folgenden Jahren genutzt werden können, sind sie langfristig gesehen ausnahmslos billiger als der jährliche Erwerb von Tieren und deren Unterbringung. Für Praxisseminare, in denen Katzen, Schweineföten und Ochsenfrösche verwendet werden und die über einen Zeitraum von drei Jahren bewertet wurden, stellte die HSUS fest, dass die tiermissbrauchsfreien Methoden eine Kostenersparnis von 2.700 bis 9.600 US-Dollar erzielten und zudem noch eine große Auswahl an Medien für ein effektiveres Lernen bereitstellten.

Würden die vielen hundert qualitativ hochwertigen Fotos, die sich auf einigen CD-ROMs befinden, in einem Buch gedruckt, so wären die Kosten untragbar, besonders wenn die Klassen größer werden. Entsprechend sind die Kosten für die Ausrüstung in einem virtuellen Labor im Gegensatz zu einem echten Labor auf die Kosten der Software begrenzt. Tierspendenprogramme verursachen zwar Lagerungskosten und gegebenenfalls Transport- und Konservierungsausgaben, jedoch sind die Tierkadaver selbst und deren Beschaffung kostenlos. Die klinische Behandlung von Tierpatienten nutzt vorhandene Ressourcen, auch wenn die Einbeziehung neuer Studierender natürlich geringfügig Kosten verursacht. Für die tierverbrauchsfreien Lehrmethoden per Computer ist u.U. eine hohe Anfangsinvestition erforderlich, wenn in einer Fakultät kaum Hardware vorhanden ist. Jedoch rentieren sich diese Auslagen mit der Zeit. Ferner ermöglicht die weltweit immer mehr verbreitete Wiederverwendung und das Recycling von Computern kostengünstigere Kaufoptionen. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen sind die Vorteile einer Investition in fortschrittliche, tierverbrauchsfreie Lehrmethoden im Bildungswesen und in anderen Bereichen oft sofort ersichtlich.

Die Entwicklung von tiermissbrauchsfreien Lehrmaterialien wie z.B. Multimedia-Software kann neue wirtschaftliche Produktivität auf lokaler Ebene hervorbringen, indem Lehrkräfte und andere Mitarbeiter am Institut selbst ihre Erfahrungen einbringen und umsetzen. Es werden nur wenige Mittel von außen benötigt, was die Unabhängigkeit des Instituts - sowie des ganzen Landes - fördert. In Ländern, in denen die Abwanderung von Wissen und Fachkräften ins Ausland üblich ist, kann so eine Lokalisierung bedeutende wirtschaftliche und soziale Vorteile mit sich bringen. Es können sogar Einnahmen erzielt werden, wenn die Produkte verkauft werden.

Der Fang und Transport von Tieren aus Ländern mit wenig harter Währung in Länder mit viel harter Währung - z.B. der Verkauf von Fröschen aus Indien und Katzen aus Mexiko an die USA - unterstützt ein ungerechtes Wirtschaftssystem, in dem Leben und Ressourcen aus diesen Ländern in Waren umgewandelt und zu Preisen verkauft werden, die niemals ihren wirklichen Wert widerspiegeln. Die meisten Ressourcen, einschließlich des Geldes, fließen in der Regel nur in eine Richtung, und das wirtschaftliche Terrain ist ganz bestimmt nicht eben. Den Bedarf, wenn möglich, lokal zu decken, entlastet sowohl das Ursprungsland als auch den Empfänger von einer ungerechten wirtschaftlichen Beziehung und kann eine lokale wirtschaftliche Regeneration in beiden Gebieten ermöglichen.

Arbeitsbedingungen

Dass die Mitarbeiter in Life-Science-Versorgungsunternehmen und die Studierenden, die getötete und konservierte Tiere sezieren, Formaldehyd und anderen Giftstoffen ausgesetzt sind, stellt ein bedeutendes Gesundheits- und Sicherheitsproblem am Arbeitsplatz dar. Trotz offizieller Empfehlungen tragen nur wenige Studierende Schutzkleidung. Anstelle der Anatomielektionen ist für viele Studierende wohl auch eher der beißende Geruch die Haupterinnerung an den Sezierungsunterricht.

Die Arbeit in Berufen, in denen das Töten von Tieren zur Routine gehört, kann das Gefühl des Arbeitenden auch nur verhärten und ihm schaden. Genauso wie bei der Intensivtierhaltung und in der Fleischverarbeitung ist die Anzahl der Frauen und anderen Arbeitern aus niedrigen Einkommensverhältnissen oder aus ethnischen Minderheiten oft unverhältnismäßig groß. Die "schmutzige Arbeit" wird von den herkömmlich ausgebeuteten Gruppen ausgeführt und ist häufig schlecht bezahlt.

Es ist offensichtlich, dass die Erstellung von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden im Allgemeinen viel bessere Arbeitsbedingungen bieten kann, auch wenn es hier ebenfalls Auswirkungen auf die Umwelt und ein Potenzial für Verbesserungen gibt.

Persönlicher Ruf und Ansehen des Instituts

Für viele Entwickler von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden hat sich herausgestellt, dass ihr persönlicher Ruf und das Ansehen ihrer Fakultät durch ihre Arbeit verbessert wurden. Manche qualitativ hochwertige Software wurde nicht nur von anderen Instituten übernommen, sondern hat sogar Auszeichnungen für Multimedia-Design und innovative Lehrmethoden gewonnen. Neue Ansätze können auch das Interesse von Studierenden für bestimmte Institute wecken. Überdies werden viele akademische Beiträge, die neue tierverbrauchsfreie Methoden und deren Einsatz behandeln, veröffentlicht. Die Vorstellung von tierverbrauchsfreien Methoden und ihren Möglichkeiten werden mehr und mehr als Teil von "beruflichen Weiterbildungskursen" anerkannt, und in immer mehr Ländern ist die Schulung in tierverbrauchsfreien Lehrmethoden für die berufliche Ausbildung in bestimmten Fachgebieten obligatorisch.

Noch wichtiger ist jedoch das gestiegene Ansehen der Dozenten unter den Studierenden und Arbeitskollegen im Institut, wenn deren innovative Lehrmethoden eingesetzt und ethische Konflikte dadurch gelöst werden. Die daraus hervorgehende Verbesserung in den zwischenmenschlichen Beziehungen und der Lernumgebung kommt allen Beteiligten zugute. Die kostenlose Verbreitung von tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien wie z.B. CD-ROMs als Freeware schafft ebenfalls gegenseitiges Wohlwollen und Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit.

Durch einige tierverbrauchsfreie Ansätze können außerdem positive Beziehungen zwischen der akademischen Welt und der allgemeinen Bevölkerung zustande kommen. Ein Beispiel dafür ist die Einführung von Spendenprogrammen für Tierkadaver mit natürlichen oder ethisch vertretbaren Todesursachen. Besitzer von Haustieren können den Kadaver ihres verstorbenen Tieres für die tiermedizinische Anatomie- und Chirurgieausbildung spenden und sich dabei bewusst sein, dass sie damit nicht nur tiermissbrauchende Lehrmethoden ersetzen, sondern auch zur effektiven und ethisch vertretbaren Ausbildung zukünftiger Tierärzte beitragen. Tierspendenprogramme, in denen das Feingefühl für die trauernden Tierhalter im Vordergrund steht, in denen der Bedarf an Tierkadavern und -gewebe für die Ausbildung deutlich erklärt und eine verantwortliche Verwendung der Spenden nachgewiesen werden kann, zeigen, dass die Tierärzte sich für die Tiere, ihre Halter und die Qualität der auszubildenden Tierärzte einsetzen. Ferner können sie dazu beitragen, das Vertrauen wiederherzustellen, dass durch Vorkommnisse in der Vergangenheit (und zum Teil auch noch in der Gegenwart), wie Kidnapping von Haustieren für Ausbildungs- und Forschungszwecke oder das Einbehalten von menschlichen Organen und Geweben ohne Patienteneinwilligung, bei vielen Menschen gestört ist.

Der persönliche Ruf von Verantwortlichen und das Ansehen eines Instituts können durch negative Medienbekanntgaben oder Rechtsstreitigkeiten um Vorwürfe der Tierquälerei oder Verletzung studentischer Bürgerrechte sehr stark geschädigt werden. Mehrere Institute in den USA sahen sich nach kritischen Zeitungsartikeln und Gerichtsurteilen zugunsten der betroffenen Studierenden dazu gezwungen, tiermissbrauchsfreie Lehrmethoden für Studierende anzubieten und das verfassungsgemäße und moralische Recht auf Gewissensfreiheit zu respektieren. Eine Lösung der Konflikte, bevor es zu solchen Maßnahmen kommt, ist natürlich in jedem Falle vorzuziehen, insbesondere da in der Regel Lösungen gefunden werden können, bei denen alle Beteiligten gewinnen.

Rechtliche Grundlagen

Von einem ethischen Standpunkt aus ist es aufgrund des zwanghaften Charakters der Gesetzgebung wünschenswerter, eine persönliche und kollektive Verantwortung für Veränderungen zu übernehmen, als diese durch ein Diktat zu erzwingen. Die Verantwortung für Studienplanänderungen von Grund auf zu übernehmen, ist daher nicht nur ein Ausdruck akademischer Freiheit, sondern auch eine Selbstbehauptung der Demokratie. Bis eine solche Verantwortung jedoch verbreitet übernommen wird, stellt die Gesetzgebung ein notwendiges Mittel dar, um Quälerei und Diskriminierung zu begrenzen und um den Einsatz von tierverbrauchsfreien Methoden als Norm zu ermöglichen.

In Europa ist durch die europäische Konvention 123 festgelegt, dass in den Grund-Studiengängen kursen der Universität überhaupt keine Tiere verwendet werden sollen, und die europäische Richtlinie 86/609 legt fest, dass tierverbrauchsfreie Methoden soweit wie möglich verwendet werden sollen, auch wenn in dieser Richtlinie nicht auf das Bildungswesen eingegangen wird. Viele nationale Gesetze legen auf ähnliche Weise fest, dass nach Möglichkeit vorhandene tierverbrauchsfreie Methoden zu verwenden sind. In einigen Ländern gibt es sogar nationale oder regionale Gesetze, die den Einsatz von Tieren in manchen Stufen der Ausbildung verbieten. So wie Konventionen und Gesetze gegen Diskriminierung ist auch das Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen sowie das Recht auf Religions- und Gewissensfreiheit in einigen nationalen Gesetzen und Verfassungen verankert. Immer mehr Institute nehmen Wahlmöglichkeiten für Studierende in ihren Vorschriften auf und bieten qualitativ hochwertige tierverbrauchsfreie Methoden für Studierende an, die Tierversuche aus Gewissensgründen ablehnen. Wieder andere Institute ersetzen die tierverbrauchenden Methoden vollständig.

Das European Centre for the Validation of Alternative Methods (ECVAM; Europäisches Forschungszentrum für die Validierung alternativer Methoden), das Teil der Europäischen Kommission ist, hat bei Seminaren für Wissenschaftler und Dozenten aus mittel- und osteuropäischen Ländern ebenfalls für Alternativen zu Tierversuchen in der biowissenschaftlichen Ausbildung geworben. Vertrautheit mit tiermissbrauchsfreien Methoden und die Einhaltung der jeweiligen Vorschriften für tiermissbrauchsfreie Methoden sind notwendige Bedingungen für die Aufnahme in die Europäische Union. Aber auch die Länder, die bereits Mitglied der EU sind, müssen ihre wissenschaftlichen Verfahren weiter verbessern und auf allen Ebenen weitere Ersetzungen vornehmen.

Die dringlichsten Aufgaben sind jedoch vor allem: Eine Anpassung der Gesetzgebung, die den heutigen Stand der Wissenschaft und Ethik widerspiegelt; die Gewährleistung von Belangen des Tierschutzes und der Rechte der Studierenden, die Förderung verantwortungsvoller Wissenschaft anstelle von herkömmlichen Praktiken; sowie eine effektive Kontrolle der Gesetzeseinhaltung in der Praxis. Überdies würden auch schon bessere Statistiken, z.B. zur Anzahl der Tiere, die für den Einsatz in einem Verfahren getötet werden, grundlegende Informationen liefern, die zur genauen Beurteilung, in wie weit tierverbrauchende Methoden im Bildungswesen und darüber hinaus eingesetzt werden, erforderlich sind.

Anmerkungen und Quellen

1. Gove, M.: The motives of a murder addict. The Times, 20. Juli 2002.
2. Stuttaford, T.: Psychopath with no guilt and no regret. The Times, 20. Juli 2002.
3. Siehe beispielsweise: Keeping Girls and Women in the Sciences. Website von Ethical Science and Education Coalition (ESEC). www.neavs.org/esec 
4. Dr. Natubhai Shah. Persönliches Gespräch, 10. Mai 2002
5. Dissection vs. Alternatives: A Cost Comparison. Humane Society of the United States (HSUS), 2002. www.hsus.org/ace/15305 

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