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InterNICHE Co-ordinator
Nick Jukes
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Leicester LE2 3LP
England
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Bewertung von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden |
Der Wert individueller Erfahrungsberichte
Da immer mehr Dozenten tiermissbrauchsfreie Methoden entwickeln und einsetzen, und immer mehr Studierende humane Lehrmethoden fordern, stehen immer mehr individuelle Erfahrungsberichte aus beiden Gruppen zur Verfügung. Diese bieten zwar keine statistisch exakten Daten, dafür jedoch Einblicke in die Praxis der Verwendung tiermissbrauchsfreier Methoden wie vorgesehen, und sind eine nützliche Ergänzung zu den veröffentlichten Studien, die diese Lehrmethoden bewerten.
Hepner (1994) war eine der Ersten, die persönliche Erfahrungen von Studierenden veröffentlichte, die tiermissbrauchende Methoden aus Gewissensgründen verweigerten. Zu ihren Beispielen gehören die unfaire Behandlung von Studierenden durch Dozenten, die sich weigerten, tiermissbrauchsfreie Methoden einzusetzen, sowie einige ermutigende Berichte von Studierenden, die an ihrer Fakultät erfolgreich für beide Seiten zufriedenstellende Lösungen ausgehandelt haben. So berichtet eine Studentin, wie sie in einer Ecke des Seminarraumes saß und allein an Modellen und Diagrammen arbeitete, während ihre Kommilitonen Katzen sezierten. Sie erzielte eine Bewertung von 87 % (Note "gut") für den Kurs. Eine andere Studentin berichtet, dass sie Organe von Muscheln und Ratten aus Ton baute - eine konstruktive Art, die anatomischen Beziehungen eines Tieres zu lernen. Wie sie letztendlich im Kurs abschnitt, wird jedoch nicht erwähnt. Zwei weitere nützliche Quellen von Erfahrungsberichten einzelner Studierender sind die Website von InterNICHE (www.interniche.org) sowie Pedersen (2002). Auf der InterNICHE-Website veranschaulichen die Berichte von Andrew Knight (Veterinärmedizinstudent) und Denise Humphreys (Zoologiestudentin) nochmals den Wert von Erfahrungsberichten. Die Bemühungen von Knight, den Studienplan an seiner veterinärmedizinischen Fakultät in Australien zu modernisieren, hatten zur Folge, dass er weit mehr Operationen (alle in einer klinischen Umgebung) als seine Kommilitonen durchführte. Dabei gewann er eine tiefergehende und ausführlichere Übung und ein größeres Selbstvertrauen. Humphreys wurde von Dozenten gewarnt, dass ihr kein Arbeitsplatz angeboten würde, wenn sie eine Sezierung von Tieren im Unterricht verweigerte. Daraufhin setzte sie sich mit 30-40 biowissenschaftlichen Instituten, darunter auch das Institute of Zoology (London), in Verbindung. Alle Institute teilten ihr mit, dass sie die Einstellung eines solchen Studierenden in Betracht ziehen würden, auch wenn sie sie nicht dazu ermutigen möchten, sich den Wünschen ihrer Universität zu widersetzen.
Leider berichten nur wenige Erfahrungsberichte aus studentischer Sicht über die Verwendung bestimmter tiermissbrauchsfreier Methoden und das Ergebnis der akademischen Leistungen des Studierenden. Solche Erfahrungsberichte wären von noch größerer Bedeutung. Fallstudien über die Entwicklung und den Einsatz von tiermissbrauchsfreien Methoden von Dozenten sind sehr nützlich und weisen u.U. auch auf die akademischen Leistungen der Studierenden hin (siehe z.B. den Beitrag von H. Braun in diesem Buch). Fachzeitschriften wie z.B. The American Biology Teacher und Journal of Biological Education veröffentlichen in regelmäßigen Abständen individuelle Rezensionen von neuem Lehrmaterial, und beim Ausleih von tiermissbrauchsfreien Leihgaben wird darum gebeten, der Leihstelle eine Bewertung zukommen zu lassen. Das European Resource Centre for Alternatives in Higher Education (EURCA; Europäisches Ressourcen-Zentrum für tiermissbrauchsfreie Methoden in der Hochschulbildung) beauftragt Dozenten mit detaillierten Rezensionen tierverbrauchsfreier Methoden. Diese und andere individuelle Kritiken sind auf der Webseite von EURCA veröffentlicht (www.eurca.org). Dies ist ein wertvoller Beitrag, der hoffentlich Nachahmer findet.
Zusammenfassung
Die in diesem Beitrag beschriebenen Studien umfassen nicht das gesamte Spektrum von Anwendungen, die für die theoretische und praktische Ausbildung in den Biowissenschaften möglich sind (eine Vielzahl weiterer Anwendungen sind in diesem Buch enthalten). Sie sind jedoch in ihrer Methodologie zum größten Teil für die Bewertung der Effizienz tierfreundlicher Lehrmethoden im Vergleich zu tierverbrauchenden Methoden angemessen. Insgesamt bieten die empirischen Ergebnisse eine solide Grundlage für eine Ersetzung der herkömmlichen Lehrmethoden, die das Schädigen und/oder Töten von Tieren beinhalten. Selbst in den Fällen, in denen der Lernerfolg bei beiden Methoden gleich ist, ist der Einsatz von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden immer noch aus ethischen Gründen vorzuziehen.
An Lehrmethoden, die keine Tiere verwenden, wird oft kritisiert, sie böten keine praktischen Erfahrungen. Computerprogramme und dreidimensionale Modelle bieten gewiss eine andere Lernerfahrung als konservierte Katzen oder narkotisierte Hunde. Dies ist jedoch kein Grund zur Annahme, dass solche Erfahrungen weniger praktisch oder interaktiv sind. Zum Ersten gibt es viele Unterrichtsmittel und Ansätze speziell für praktische Übungen und das praktische Erlernen der Biologie, beispielsweise dreidimensionale Modelle, Patientensimulatoren, Virtual-Reality-Module und chirurgische Übungsgegenstände, für die das Töten oder Schädigen von Tieren nicht nötig ist. Als die Washington State University (WSU) ihr Ausbildungsprogramm für die Veterinärchirurgie Anfang der 90er Jahre modernisierte und den herkömmlichen invasiven Tierlaborunterricht ersetzte, reduzierte sie damit jedoch keineswegs die Ausbildung in praktischen Fertigkeiten. Im Gegenteil: Die Qualität und Breite dieser Ausbildung wurde durch die Einführung eines Programms für den frühzeitigen Erwerb von Fertigkeiten und einem Laborunterricht für psychomotorische Fertigkeiten erhöht (Borje Gustafsson, ehemaliger Dekan der veterinärmedizinischen Fakultät der WSU, persönliches Gespräch vom 21.01.00).
Zum Zweiten sind praktische Lernmethoden nicht unbedingt bessere Lernmethoden. Es gibt viele praktische Aktivitäten, die Schüler oder Studierende im Unterricht ausführen könnten, die jedoch aus gesellschaftlichen oder moralischen Gründen nicht angebracht sind: z.B. das Herstellen und Explodieren von Sprengstoffen im Chemieunterricht. Praktische Aktivitäten sind für das Lernen nur wirksam, wenn die Köpfe der Schüler genauso angestrengt werden wie ihre Hände (Michael 1993). Dieser Punkt ist insbesondere für die Sezierung von Tieren relevant, bei der das Verhalten von schlecht beaufsichtigten Studierenden ausarten und ein bedeutungsvolles Lernen behindern kann (Solot und Arluke 1997).
Eine gültige Kritik, die gegen die meisten solcher Untersuchungen, die den Ersatz von tierverbrauchenden Lehrmethoden bewerten, hervorgebracht werden kann, ist, dass der Lernprozess an sich kaum betrachtet wird. Mit der Ausnahme weniger Studien, die sich mit der chirurgischen Kompetenz von Veterinär- und Humanmedizinstudenten befassten, lag die Betonung auf der Bewertung von Sachwissen (z.B. die Fähigkeit des Studierenden, sich Namen von anatomischen Teilen und Systemen einzuprägen) anstatt auf der Bewertung von Arbeitsfertigkeiten (z.B. die Fähigkeit des Studierenden, Versuche auszuarbeiten und durchzuführen sowie Daten auszuwerten). Jedoch liegt der Fokus der Reformbemühungen in der Biologie- / wissenschaftlichen Ausbildung heute mehr auf der Art und Weise, wie die Studierenden lernen, als auf dem Inhalt des Gelernten. Die National Science Education Standards in den USA empfehlen nachdrücklich, dass die naturwissenschaftliche Ausbildung mehr Wert auf eine aktive Teilnahme der Studierenden an wissenschaftlichen Untersuchungen legen solle, einschließlich der Erstellung von Untersuchungskonzepten, der Ermittlung und Auswertung von Daten und des Aufstellens neuer Fragen und Hypothesen (U.S. National Academy of Sciences, 1995).
Solange Studierende jedoch anhand von standardisierten Tests bewertet werden, mit denen überwiegend das Sachwissen gemessen wird (und Dozenten anhand der Leistungen ihrer Studierenden in diesen Tests bewertet werden), gibt es leider - trotz der erwiesenen Vorteile - wenig Anstoß, die Studienpläne auf das Lernen durch Arbeitsverfahren abzuändern (Modell und Michael 1993, Heiman 1987). Was zurzeit wohl am nötigsten ist, wäre eine umfangreiche internationale Studie, in der herkömmliche mit tierverbrauchsfreien Lehrmethoden verglichen und die Methoden unter beiden Gesichtspunkten, Sachwissen und Arbeitsweise, untersucht werden. Eine internationale Studie wurde zwar vorgeschlagen (van der Valk et al. 1999), es ist jedoch noch nicht klar, ob sie durchgeführt wird und ob sie Aspekte des Lernens durch Arbeitsverfahren einbeziehen wird.
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Über den Autor
Jonathan Balcombe wurde in England geboren, wuchs in Neuseeland und Kanada auf und lebt seit 1987 in den Vereinigten Staaten. An der York University in Toronto erhielt er seinen Bachelor-Abschluss und an der Carleton University in Ottawa seinen Master-Abschluss in Biologie. Sein Doktorgrad in Ethologie wurde ihm an der University of Tennessee erteilt, wo er die Kommunikation von Fledermäusen studierte. Von 1993 bis 2000 arbeitete er bei der Humane Society of the United States (HSUS), mit Schwerpunkt auf Themen rund um den Gebrauch von Tieren in der Ausbildung. Neben seinen Veröffentlichungen zur Verhaltensforschung der Fledermäuse, Vögel und Schildkröten hat Jonathan Balcombe über 30 Artikel zum Thema Tiersezierung geschrieben, und im Jahr 2000 wurde sein erstes Buch bei der Humane Society Press veröffentlicht: The Use of Animals in Higher Education: Problems, Alternatives and Recommendations. (Der Gebrauch von Tieren in der Hochschulausbildung: Probleme, Alternativen und Empfehlungen.) Er war Vorsitzender der in East Tennessee, stellvertretender Vorsitzender der im District of Columbia, sowie Berater für tierverbrauchsfreie Methoden bei InterNICHE. Von 2001 bis 2003 hatte Jonathan Balcombe die Funktion des Forschungskoordinators bei Immersion Medical inne, einem Unternehmen, dass Virtual-Reality-Simulatoren für die Ausbildung in minimal invasiven Operationen entwickelt. Zurzeit ist er Forschungsberater für das Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM, Ärztekomitee für verantwortungsbewusste Medizin) und hat ein Buch mit dem Titel ‚Pleasurable Kingdom: the Animal Nature of Feeling Good' geschrieben, das 2006 veröffentlicht werden soll. Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in York, England, wo er sich in seiner Freizeit mit dem Beobachten von Vögeln, Aquarellmalerei, Radfahren und Schreiben beschäftigt.
Jonathan Balcombe, Dr. phil.
Research Consultant
Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM)
5100 Wisconsin Avenue, NW, Suite 400
Washington, DC 20016
USA
Tel.: +1 202 686 2210
Fax: +1 202 686 2216
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