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Verweigerung aus Gewissensgründen: Rolle und Verantwortung von Studierenden und Dozenten |
Hintergrund
Bei der Diskussion um schädigenden Tiergebrauch und tierverbrauchsfreie Methoden der Ausbildung spielt auch die Möglichkeit einer Verweigerung aus Gewissensgründen eine wichtige Rolle. Wie bei der Kriegsdienstverweigerung geht es auch hier um aktiven Widerstand eines Einzelnen oder einer Gruppe, wobei die Verweigerer es ablehnen, an einer Praxis teilzunehmen, die ihrer moralischen Überzeugung widerspricht. Das ist eine Frage der Bürgerrechte, konkret der Gewissensfreiheit, die gerade in der Bildung auf den gesamten Lehrplan Auswirkungen hat. Dort, wo der Tiermissbrauch in den Biowissenschaften noch nicht durch tierverbrauchsfreie Lehrmethoden ersetzt wurde und entsprechende Forderungen abgewiesen werden, ist es wahrscheinlich, dass sich Studierende dieser Praxis verweigern. Neben ihrer Weigerung, an Sezierungen eigens für den Unterricht getöteter Tiere oder an Tierversuchen teilzunehmen, werden sie sich natürlich zugleich für humane Unterrichtsmethoden einsetzen.
Eine solche Verweigerung der Studierenden aus Gewissensgründen kann für die Dozenten sodann eine tiefgreifende Herausforderung darstellen, da sie Zweifel an der herkömmlichen Praxis und Fragen der akademischen Freiheit aufkommen lässt. Dabei liegt die Wurzel einer solchen Verweigerung in positiven kulturellen Werten, wie Achtung vor dem Leben, und einem Engagement für das Heilen anstatt das Schädigen. Zudem zeigen Studierende, die sich aus Gewissensgründen dem Tiermißbrauch verweigern, oftmals gut entwickelte Fähigkeiten des kritischen Denkens und ethische Bildung. Für den Prozess zur Lösung bestehender ethischer Konflikte kann die Verweigerung daher eine bedeutende Rolle spielen und letzlich durch die Einführung tierverbrauchsfreier Methoden eine Modernisierung der Bildung vorantreiben.
Grad der Verweigerung
Die Zahl der Studierenden, die sich aktiv widersetzen, erscheint oft niedrig. Angesichts des sozialen und durch das Hochschulsystem entstehenden Drucks auf die Studierenden sowie der psychologischen und akademischen Strafen und Nachteile, die denjenigen drohen, die den Status Quo in Frage stellen, ist dies auch verständlich. Doch die Zahlen sind irreführend, denn die Literatur zeigt, dass bei einer offenen Diskussion der ethischen Fragen zum schädigenden Tiergebrauch viel mehr Studierende bereit sind, ihr Unbehagen oder ihre Ablehnung dieser Praxis zum Ausdruck zu bringen.1
Für sich behaltene, private Ablehnung trägt jedoch weder zur Lösung des ethischen Problems bei, noch begrenzt es den Schaden, der den Tieren zugefügt wird. Entweder nehmen Studierende mit Widerwillen an Tierversuchen teil, oder sie ziehen es vor, lediglich zuzusehen. Wieder andere entscheiden sich, den Kurs zu wechseln oder abzubrechen, anstatt ihre Überzeugung zu verteidigen und die Tierversuche offen in Frage zu stellen. Eine Verweigerung verlangt von dem Studierenden, dass er bereit ist, die Frage des Tiermissbrauchs gegenüber seinen Dozenten offen anzusprechen und seine Ansicht darzulegen, um eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu erreichen, die einen Ersatz der tierverbrauchenden Methode beinhaltet. Es ist gut möglich, dass es dabei auch erforderlich wird, öffentlich zu Tierversuchen Stellung zu nehmen, das Recht auf Alternativen einzufordern und deren Einführung mit großem persönlichen oder kollektiven Engagement zu erstreiten. Dies wird meist eine kleine Zahl fest entschlossener Studierender sein, in manchen Fällen waren es aber auch ganze Seminargruppen, die sich kollektiv verweigert haben.
Reaktionen der Dozenten
Die Reaktionen von Dozenten in diesen Situationen sind sehr verschieden. Oftmals zeigt sich hier die Fähigkeit oder Bereitschaft des Dozenten, kreativ mit der Herausforderung umzugehen, sowie die Zuversicht des Dozenten und des Instituts im Übergangsprozess. Im besten Fall reagiert der Dozent damit, dass er bereits vorhandene Alternativmethoden prüft und schließlich eine Auswahl humaner Lehrmittel und -methoden einsetzt, die den Unterrichtszielen gerecht wird und die tierschädigenden Methoden ersetzt. Auch kann der Dozent seine eigene Alternativmethode entwickeln. Idealerweise werden diese Lehrplanänderungen für die ganze Seminargruppe umgesetzt, sodass alle Studierenden davon profitieren; wenn der tierverbrauchsfreie Unterricht jedoch keine allgemeine Anwendung findet, arbeiten nur diejenigen Studierenden damit, die sich für die ‚alternative', tierverbrauchsfreie Lehrmethode entscheiden.
Weiterhin kann es der Dozent den Studierenden überlassen, ihren Weg zur Erreichung der Unterrichtsziele eines Praxisseminars selbst zu finden. So können Veterinärmedizinstudenten beispielsweise für den Anatomieunterricht und klinische Übungen ethisch erworbene Tierkadaver beschaffen, oder chirurgische Praktika bei unabhängigen Tierärzten außerhalb des Unterrichts arrangieren. Die Fakultät kann sich dann bereit erklären, diese Aktivitäten als Teil des Unterrichts anzuerkennen und den Lernfortschritt der Studierenden zu bewerten.
Einige Studierende werden jedoch auch mit erbitterter Abwehr und emotional geladenem Widerstand seitens ihrer Dozenten, und gelegentlich sogar ihrer Kommilitonen, konfrontiert, sodass ruhige und rationale Gespräche über dieses Thema gar nicht möglich sind. Eine Verweigerung an der Unterrichtsteilnahme aus Gewissensgründen wird von manchen Dozenten als persönlicher Angriff gewertet, anstatt als Hinterfragung der Zwangsteilnahme an solchen Praktiken oder einfach als Kritik an diesen. Aggressive Verhöre und eine abwertende Behandlung des Problems durch die Dozenten sind überraschend weit verbreitet, und viele Studierende mussten die Drohung und schließlich die Tatsache einer schlechten Benotung, einer nicht-erteilten Abschlussnote oder sogar eines Ausschlusses vom Unterricht über sich ergehen lassen.
Entscheidungsmöglichkeiten der Studierenden
Angesichts solchen Widerstands oder wenn die Studierenden der Meinung sind, dass selbstorganisierte Unterrichtsalternativen das Institut gleichsam von seiner Verantwortung zur Bereitstellung von Bildung befreien würde, können sich die Studierenden schließlich entscheiden, sich stärker für einen breiten und offiziellen Einsatz tierverbrauchsfreier Lehrmethoden einzusetzen. Wege dazu können z.B. sein, bei den Kommilitonen und gleichgesinnten Dozenten, Studentenvertretern, Bürgerrechtsgruppen und anderen Verweigerern aus Gewissensgründen um Unterstützung zu werben, der Universitätsleitung Eingaben mit fundierten Argumenten und gut recherchierten Informationen zu einschlägigen Alternativmethoden und ihren pädagogischen Vorteilen vorzulegen, oder, als letzte Möglichkeit, das Thema durch die Medien der Öffentlichkeit nahe zu bringen oder rechtliche Mittel einzusetzen.
Bei ethischen Fragen ist es fast immer möglich, Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten von Vorteil sind. Es lohnt sich deshalb, im Falle einer Verweigerung aus Gewissensgründen auf den zugrundeliegenden Charakter und Denkansatz der Studierenden zu schauen, da das Erkennen der positiven Basis einer solchen Verweigerung einer gegenseitigen Verständigung förderlich ist, den Konflikt zwischen Dozent und Student mildert und zu einer kooperativen Lösung ermutigt.
Fähigkeiten und Werte
Studierende, die sich Tiermissbrauch aus Gewissensgründen verweigern, sind meist aktive kritische Denker und folglich potenziell gute Wissenschaftler. Die Fähigkeit, orthodoxe Strukturen zu hinterfragen, ist ein Zeichen für kritisches, wissenschaftliches Denken. Ohne eigenständiges, kreatives Denken und das Hinterfragen althergebrachter Normen gibt es keine Innovation - oder Wissenschaft überhaupt. Viele der Verweigerer gehören zu den klügsten unter den Studierenden; Intelligenz hat oft einen direkten Zusammenhang mit der Bereitschaft und Fähigkeit zur Konfliktaustragung.
Die mögliche Folge der Verweigerung auf sich zu nehmen, in Form von Konflikt mit dem Dozenten oder akademische Bestrafung durch diesen, ist keine leicht zu nehmende Entscheidung. Den Studierenden, die sich dennoch verweigern, liegt ihre Ausbildung sehr am Herzen; sie zeigen hohe Motivation und ein großes Engagement für ihr Studium. Sie sind in mehrfacher Hinsicht ‚gewissenhaft'. Neben ihrem Interesse an der ‚Best Practice' in Form von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden absolvieren sie häufig auch freiwillige Übungspraktika außerhalb des Lehrplans, oder sie nehmen an studentischen Wissenschaftsgruppen oder Tierschutzarbeit teil, um weitere Erfahrungen in ihrem Fach zu sammeln.
Sie sind meist emotional gebildet und wissen Sensibilität, Respekt, Einfühlungsvermögen und Mitleid zu schätzen. Studierende, die ihre eigenen und anderer Menschen Gefühle achten, bezeugen ein hohes Maß an ‚Selbst-Bewusstsein', was wiederum einem erfolgreichen Lernen förderlich ist: Durch ihr Bewusstsein für das eigene Denken und den eigenen Lernprozess können sie effektiver lernen. Die Bemühungen dieser Studierenden um die Einführung von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden in einen gut durchdachten Lehrplan sind zum Teil auf dieses Bewusstsein für den Lernprozess und effektive Lernumgebungen zurückzuführen. Dieses Bewusstsein erfährt auch durch die Ergebnisse veröffentlicher akademischer Studien Unterstützung, aus denen hervorgeht, dass tierverbrauchsfreie Lehrmethoden im Hinblick auf die studentischen Leistungen mindestens so effektiv sind wie Tierversuche.
Zusammen mit dem kritischen Denken ist es die emotionale Bildung, die den Studierenden dazu befähigt, mit ethischen Fragen umgehen zu können. Ethische Bildung ist in den Biowissenschaften von zentraler Wichtigkeit, und die frühzeitige Vertrautheit mit dem Feld der Ethik wird sich als wertvolle Fähigkeit und Hilfe erweisen. Dabei ist es für jeden Einzelnen wichtig, bei der Entwicklung der eigenen emotionalen und ethischen Bildung Unterstützung und Ermutigung zu erfahren. Eine Verweigerung aus Gewissensgründen ist auch ein Ausdruck dafür, dass der Studierende die Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, indem er einerseits nicht selbst an Praktiken teilnimmt, die seiner moralischen Überzeugung widersprechen, und sich andererseits für Alternativen einsetzt. Überdies engagieren sich Studierende typischerweise für die Erzielung kooperativer Lösungen und wenden sich in dieser Frage in verantwortungsbewusster Weise an ihre Dozenten. Eine solche Übernahme von Verantwortung und die Entwicklung guter Führungsqualitäten sollten eigentlich willkommen sein und belohnt werden.
Lösung ethischer Konflikte
Studentische Verweigerer aus Gewissensgründen sind Katalysatoren für die Lösung bestehender und oftmals unausgesprochener Spannungen. Wenn die Spannung um Tiermissbrauch im Unterricht offen ausgesprochen und untersucht wird, liegt es schließlich an den Dozenten, angemessen zu reagieren. So könnten sie auf diese Herausforderung mit der gleichen intellektuellen Energie und Leidenschaft reagieren wie sie die Studierenden zeigen. Traurigerweise gehen manche Dozenten dem aus dem Weg, indem sie einfach ihre Autorität spielen lassen, Bestrafungen einsetzen oder sich ganz und gar passiv verhalten. Erfolgreiche Konfliktlösung hingegen kann die Lernumgebung, einschließlich der Beziehung zwischen Studierenden und Dozenten, deutlich verbessern. Die Studierenden werden den Dozenten ihre Bemühungen um eine Lösung des Konflikts und den Einsatz von Alternativmethoden honorieren, weil sie sich mit ihrer Meinung, ihrem Lernen und ihrem Engagement für Ethik ernstgenommen und ermutigt fühlen. Dieser achtungsvollere, partnerschaftliche Umgang miteinander im Rahmen des Lehrens und Lernens macht eine tiefere Verständigung möglich, sodass auch das Wissen und die Erfahrung der Dozenten mit größerem Erfolg an die Studierenden vermittelt werden können. Ehrliche Achtung beider Seiten gegenüber der anderen kann eine sehr freie Umgebung schaffen, die dem Lernen und der Entwicklung sehr förderlich ist. Und Studierende vor sich zu haben, denen ihr Studium sehr am Herzen liegt und die ein hohes Maß an Achtung vor den Dozenten zeigen, kann für die Dozenten selbst sehr lohnend sein. Diese Art von Achtung hat eine ganz andere Grundlage als der Respekt, den die bloße Autorität einflößt.
Veränderungen vorantreiben
Die Austragung und Lösung von Konflikten in Bezug auf schädigenden Tiergebrauch wird die Einführung einiger tierverbrauchsfreier Methoden zur Folge haben. Das heißt, dass Studierende als Katalysatoren bedeutende Veränderungen bewirken können. Wenn sich Dozenten in ihrer akademischen Freiheit eingeschränkt fühlen, weil ihnen gepflegte herkömmliche Lehrmethoden ‚weggenommen' werden, sollte auch nicht vergessen werden, dass auch die akademische Freiheit ihre ethischen Grenzen und dass auch Wissenschaftler sich vor der Gesellschaft für ihr Handeln verantworten müssen. Bei der Definition, wo diese ethischen Grenzen liegen, sind, vor dem Hintergrund der sich immer weiter entwickelnden kulturellen Wertvorstellungen und unter dem Eindruck der immer neuen technischen Möglichkeiten, vor allem der Dialog und das Bemühen um einen gesellschaftlichen Konsens hilfreich. Ohnehin ist eine Freiheit, die anderen die Freiheit raubt, absurd: Es ist ethisch nicht konsequent, Studierenden ihrer Wahlfreiheit zu berauben oder Tieren ihrer Freiheit zu leben. Hingegen ist die akademische Freiheit, fortschrittliche, humane Lehrmethoden zu entwickeln, eine unbegrenzte Freiheit - man muss sie nur nutzen. Diese positive Aussicht, die in der Freiheit liegt, kreativ und produktiv zu sein, ist die überzeugende andere Seite des Verlustes der akademischen ‚Freiheit', Tiere zu schädigen oder Studierenden die Wahlmöglichkeit zu versagen.
Erst die Forderung nach fortschrittlichen Veränderungen bringt Potenziale und Möglichkeiten ans Licht. Als Träger neuer Ideen und frischer Energie könnten Studierende bei der Modernisierung und Humanisierung der gegenwärtigen Lehrpraxis als Partner des Lehrkörpers willkommen sein. Wenn Studierende vor allem beim Diskutieren und Voranbringen des Themas viel Energie zeigen, können Dozenten diese Energie in produktive Richtungen lenken. Bei der Entwicklung tierverbrauchsfreier Unterrichtshilfsmittel wie z.B. neuer Software können Studierende ihre Ideen einbringen, bei der Umsetzung mitwirken und Beta-Versionen testen. Bei alternativen Ansätzen wie die Verwendung ethisch erworbener Tierkadaver kann studentische Energie dabei helfen, die nötige Infrastruktur aufzubauen. Diese Mitarbeit und Teilhaberschaft am Prozess der Lehrplanveränderung wird außerdem auch die Motivation der Studierenden für den Lernprozess erhöhen. Und schließlich bietet der direkte Vergleich zwischen tierschädigenden und tierverbrauchsfreien Lehrmethoden hervorragende Fallstudien zur Ausweitung des kritischen Denkens und ethischer Bildung.
Selbstbefähigung
Für die Studierenden selbst liegt der Erfolg natürlich in der Implementierung tierverbrauchsfreier Lehrmethoden. Aber auch schon der Prozess der Verweigerung aus Gewissensgründen kann eine klärende und stärkende Wirkung haben. Ob es lediglich mit einem Gefühl des Unbehagens gegenüber Tierversuchen beginnt oder aus einer gut entwickelten ethischen Grundhaltung entspringt - den Mut zu finden, seine Meinung offen zu äußern, setzt einen Prozess der Selbstbefähigung in Gang, bei dem die eigene Wirksamkeit als Katalysator von Veränderungen immer deutlicher und stärker wird.
Die eigenen Kräfte und Fähigkeiten können durch die Verweigerung trainiert werden, auch wenn der Prozess sicherlich nicht immer leicht ist. Herauszufordern und herausgefordert zu werden entwickelt das eigene kritische Denken weiter und kann zu einem kritischen Überdenken und Erneuern der eigenen ethischen Haltung führen. Es lohnt sich, seinen Geist zu schärfen und weiterzuentwickeln, also die intellektuelle Bequemlichkeit zu überwinden. Sich ethisch weiterzubilden und den eigenen Gefühlen treu sein zu können, ist auch befreiend. Praktizierte Authentizität ist erstaunlich radikal, und kann zusammen mit ausreichend Selbstvertrauen für eine sehr effektive Verständigung sorgen. Intensiver zu leben und die Welt durch schärferes Denken bewusster mitzuerleben, stärker zu fühlen und die eigene ethische Entwicklung zu schätzen, ist also die Alternative zu Verleugnung und Vermeidung, Konformität und Gehorsam. Eine solche lebensverneinende Haltung trägt stattdessen zur Aufrechterhaltung und Fortsetzung tierschädigender Praktiken bei und versagt sich die Möglichkeit, einen individuellen Beitrag zu kultureller Vielfalt und Fortschritt zu leisten, den jeder Einzelne einbringen könnte.
Darum fördert die Verweigerung aus Gewissensgründen eine Selbstbefähigung, die wiederum den Prozess der Verweigerung effektiver macht. Einer oder einige wenige engagierte Menschen können tatsächlich fortschrittliche Veränderungen herbeiführen, wenn dahinter ein gut durchdachtes Konzept einer humanen Bildung, eine realistische Einschätzung der gegenwärtigen Situation und ein Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten stehen. Es muss nicht jeder einzelne Schritt oder die gesamte Strategie im Voraus genau geplant sein: Der leichteste Weg wird sich zeigen, vor allem wenn man beginnt, intensiver in der Gegenwart zu leben und sich seiner eigenen Wirksamkeit bewusst zu werden. Dennoch macht eine optimistische Einstellung und die Zuversicht, dass man mit Sicherheit irgendetwas bewirken wird, einen tatsächlichen Erfolg wahrscheinlicher.
Es ist also auch wichtig, den eigenen Willen zu stärken, um sich selbst weiterzuentwickeln und Veränderungen bewirken zu können. Ein starker Wille ist nichts anderes als die Kraft der Entschlossenheit, und drückt die völlige Identifizierung mit der eigenen Entscheidung und dem eigenen Engagement aus (anders als das Bemühen um Willensstärke, die pflichtbewusste Anstrengung oder zwangsweise Selbstbeherrschung). Ein fundierter Wille hilft, die eigene Energie mit Leichtigkeit zu lenken und angemessen einzusetzen. Und der gute Wille, das Wollen des Guten, sorgt für das ethische Fundament.2
Wenn man sich erst einmal dem Engagement für Veränderungen verschrieben hat, tun sich auch bald Quellen der Information und Unterstützung auf. Neue Gemeinschaften von denkenden, sozial engagierten Menschen können sich zusammenfinden. Überdies können Studierende, die ihre Sache konsequent verteidigen und sich nicht mit Kompromissen zufrieden geben, großen Respekt seitens von Dozenten erfahren, die zwar gegen schädigenden Tiergebrauch sind und eine entsprechende Lehrplanänderung unterstützen, ihren Kollegen aber nicht offen widersprechen würden. Umso wertvoller ist es für die Studierenden, wenn diese Dozenten ihnen ihre Unterstützung aussprechen oder in anderer Weise helfen.
Jede Handlung, auch die Verweigerung und die darauf folgende Reaktion durch die Dozenten, sollte Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit und weiterer Initiativen eröffnen, anstatt diese einzuschränken oder zu blockieren. Dies ist dann gewährleistet, wenn darauf geachtet wird, dass die Mittel zum Zweck verantwortungsvoll und wo immer möglich kooperativ eingesetzt werden. 'Nicht-Kooperation' durch Verweigerung aus Gewissensgründen ist jedoch immer dann die einzige Option, wenn die Teilnahme an schädigendem Tiergebrauch Pflichtbestandteil ist. Nichtsdestotrotz sind auch dann noch alle anderen Wege für eine Zusammenarbeit mit den Dozenten offen, wenn ein Studierender nicht bereit ist, hinsichtlich ethischer Fragen Kompromisse zu machen. Es liegt dann an beiden Seiten, diese Wege zu erforschen und Win-Win-Lösungen zu suchen.
Anmerkungen und Quellen
1. Eine Zusammenfassung der veröffentlichen Studien zu Meinungen bezüglich des Tiermissbrauchs in der Ausbildung finden Sie in Balcombe, J.:. The Use of Animals in Higher Education: Problems, Alternatives and Recommendations. Washington, D.C.: Humane Society Press, 2000.
Siehe auch Pedersen, H.: Humane Education: Animals and Alternatives in Laboratory Classes. Aspects, Attitudes and Implications. Humanimal 4., 2002.
2. Für eine vollständigere Untersuchung des Willens, siehe Ferrucci, P.: What We May Be: Techniques for Psychological and Spiritual Growth through Psychosynthesis. London: Thorsons, 71, 1995.
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