|
Back
InterNICHE Co-ordinator
Nick Jukes
42 South Knighton Road
Leicester LE2 3LP
England
Tel/Fax +44 116 2109652
coordinator@interniche.org
| |
InterNICHE: Philosophie und Praxis |
Struktur und Arbeitsweise
InterNICHE ist ein offenes und vielfältiges Netzwerk aus Studierenden, Dozenten und Tierrechtlern. Es gibt keine Mitgliedschaft, stattdessen freie Zusammenarbeit rund um das Thema einer fortschrittlichen, humanen Ausbildung in den Biowissenschaften. InterNICHE ist Teil einer Bewegung mit dem Ziel einer humanen Ausbildung und ethischen Wissenschaft, und will eine Kommunikations- und Diskussionsplattform für alle Interessierten und Betroffenen bieten. InterNICHE arbeitet partnerschaftlich mit allen Einzelpersonen, Organisationen oder Instituten zusammen, die dasselbe Ziel - die Ersetzung der tierschädigenden Methoden und die Investition in eine hochentwickelte ethische Wissenschaft - vertreten.
Als Teil von InterNICHE verstehen sich zunächst die nationalen Ansprechpartner (Länderkontakte), die in ihrem jeweiligen Land fungieren, und diejenigen in ihrem Umkreis, die aktiv an der Kampagnenarbeit teilnehmen. Alle verbindet der Einsatz für die vollständige Ersetzung von Tiermissbrauch und das Prinzip des friedlichen und verantwortungsbewussten Handelns. Weitere Organisationen, viele Dozenten und einige Hersteller tierverbrauchsfreier Lehrmittel arbeiten eher in Partnerschaft mit InterNICHE, indem sie im selben Bereich tätig sind.
InterNICHE ist auch eine internationale Organisation, mit einer Struktur, die einem gemeinsamen Handeln förderlich ist. Sie wird auf internationaler Ebene durch einen Koordinator vertreten und auf nationaler Ebene durch jeweils einen Länderkontakt in jedem Land. Für größte Demokratie und Effizienz werden Entscheidungen auf der niedrigstmöglichen Ebene getroffen. Die meisten allgemeinen und einige spezifische Entscheidungen zu internationalen Aktionen werden vom Komitee der InterNICHE-Länderkontakte getroffen, das einstimmig entscheidet. Die Kommunikation erfolgt hauptsächlich per E-Mail und durch mindestens einmal im Jahr stattfindende Zusammenkünfte.
Der Koordinator bewältigt den Großteil der internationalen Arbeit und leitet und pflegt das Netzwerk. Weitere Hauptfunktionen auf internationaler Ebene haben der Berater für tierverbrauchsfreie Methoden, der Koordinator für das Lehrmaterial-Ausleihsystem, der Webmaster und der Buchhalter inne. Diese bilden zusammen eine kleine Kerngruppe, die die meisten spezifischen Entscheidungen zu laufenden Aktivitäten und Projektarbeiten treffen. Soweit angemessen handelt der Koordinator eigenständig, ist jedoch gegenüber der Kerngruppe und dem Komitee verantwortlich. Die Länderkontakte sind eingeladen, gemäß dem Rotationsprinzip in der Kerngruppe mitzuarbeiten, um mehr Verantwortung zu tragen und sich weiterzuentwickeln. Struktur und Arbeitsweise unterliegen im Laufe der Zeit auch Veränderungen, sodass eine kontinuierliche Überprüfung notwendig ist, um sicherzustellen, dass sie stets das höchste Maß aktiver Teilnahme und Selbstbefähigung ermöglichen und Bürokratieaufwand hingegen auf ein Minimum beschränken.
Die Arbeit der Länderkontakte beinhaltet die Teilnahme an den wichtigsten InterNICHE-Projekten wie z.B. die Planung und Verbreitung dieses Buches, sowie eigenständige Aktivitäten wie z.B. die landesweite Erhebung von Daten zum Gebrauch von Tieren, die Werbung für und Bemühung um die Einführung tierverbrauchsfreier Lehrmethoden, sowie die Unterstützung lokaler Verweigerer aus Gewissensgründen. Die Neuigkeiten zu den meisten Aktivitäten werden international mitgeteilt; der Grad der Aktivität variiert je nach Leistungsvermögen und verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen. Alle InterNICHE-Länderkontakte sind Freiwillige, die in diesem und verwandten Bereichen wichtige Arbeit leisten. Die Gemeinschaft der Länderkontakte hat ihre eigene Energie und ein breiteres Netzwerk von Tierrechtlern hinter sich.
InterNICHE fördert die Ausbildung eines befähigten weltweiten Netzwerkes und einer weltweiten Bewegung für humane Bildung, indem zwar nicht die Bildung eines riesigen Konglomerats angestrebt, aber dennoch die wechselseitigen Vorteile von Bündnissen herausgearbeitet werden. Um nachhaltige Veränderungen zu erreichen, ist es notwendig, die Vielfalt zu akzeptieren und zu integrieren - d.h. die Erkenntnis, dass jeder Einzelne zum Fortschritt beitragen kann. Es gibt nur wenige andere Foren, in denen sowohl Verfechter einer Abschaffung von Tierversuchen als auch Tierversuchs-Vertreter zusammenkommen, miteinander diskutieren, argumentieren und einen gemeinsamen Nenner suchen können, auf dessen Grundlage fortschrittliche Veränderungen im Sinne eines Ersatzes von Tierversuchen realisiert werden können.
Erfolgreich sind Aktivisten dann, wenn sie ihr Ziel einer Ersetzung von Tiermissbrauch durch Alternativmethoden fest im Auge behalten und sich dabei der breiteren Auswirkungen herkömmlicher Methoden einerseits und fortschrittlicher Lehrmethoden andererseits auf Wissenschaft, Ethik, Pädagogik, Gesellschaft und Wirtschaft bewusst bleiben. In diesem Bewusstsein können mehr Möglichkeiten der Querverbindung und Bündnisschließung gefunden werden, und das bloße Verlagern von Problemen von einer Ebene auf die andere vermieden werden. So kann ein echter Fortschritt mit vielfach positiven Auswirkungen erzielt werden.
Geschichte
Das European Network of Individuals and Campaigns for Humane Education ("Europäisches Netzwerk von Einzelpersonen und Initiativen für Humane Bildung", EuroNICHE) wurde 1988 von einer vielschichtigen Gruppe aus studentischen Verweigerern aus Gewissensgründen, Tierversuchsgegnern, Verhaltens- und anderen Tierforschern aus verschiedenen europäischen Ländern gegründet. Mit anfänglicher Unterstützung von niederländischen und britischen Tierschutzorganisationen sowie über die Eurogroup for Animal Welfare auch der Europäischen Kommission diente EuroNICHE sehr gut als verbindende Plattform zwischen Einzelpersonen und Gruppen, die sich für tierverbrauchsfreie Methoden in der Hochschulbildung und für die Gewissensfreiheit der Studierenden einsetzten. Regelmäßige Newsletters, Treffen und jährliche Konferenzen - die oftmals an Universitäten mit Interesse an tierverbrauchsfreien Lehrmethoden abgehalten wurden - legten den Grundstein für das Wachstum des internationalen Netzwerkes und der einzelnen nationalen Gruppen.
Die ‚erste Aktionswelle' in Europa fand in mehreren westeuropäischen Ländern zeitgleich und parallel mit einem wachsenden Umweltbewusstsein statt. Die für EuroNICHE Aktiven konnten dabei auf die bereits bestehende - wenn auch marginalisierte - Tradition einer humanen Bildung aufbauen, in der bereits einige tierverbrauchsfreie Ansätze und Hilfsmittel Anwendung fanden, so z.B. die allerersten Computersimulationen, die für den Einsatz in der biowissenschaftlichen Lehre entwickelt wurden. Schließlich nahmen die nationalen Aktivitäten in mehreren Ländern immer mehr zu und bewirkten an einigen Instituten bereits Veränderungen; und auch in weiteren Ländern West- und Mitteleuropas begannen sich Menschen zu engagieren.
Anfang der 90er Jahre machten organisatorische Schwierigkeiten, die sich zum Teil aus der zeitlichen Begrenztheit des studentischen Engagements auf die Studienzeit selbst ergaben, eine Konsolidierung des Wachstums und eine Sicherstellung der Nachhaltigkeit nötig. Dies wurde ab Mitte der 90er Jahre auch immer mehr erreicht. Dass auch in Mittel- und Osteuropa Nichtregierungsorganisationen entstanden sind und an Einfluss gewannen, trug zum weiteren Wachstum der Bewegung bei, und die Herausgabe mehrsprachiger Literatur sowie der 1. Auflage dieses Buches bot den aktiv Engagierten eine praktische Hilfe. 1997 erhielt EuroNICHE für seine internationale Arbeit den Nordic Prize for Alternatives to Animal Experiments.
Qualitativ hochwertige Multimedia-Software mit bedeutenden pädagogischen Vorteilen gegenüber Tierversuchen wurden in immer größeren Mengen produziert und endlich auch eingesetzt. Neue Kontakte wurden auch mit den USA und Japan geknüpft, und EuroNICHE begann, mit einigen Dozenten noch enger als bisher zusammenzuarbeiten. Ende der 90er Jahre wurde, besonders durch die zunehmende Nutzung des Internet, auch die Zusammenarbeit mit Aktivisten für tierverbrauchsfreie Methoden in Ländern wie Australien intensiver. Das EuroNICHE-Video Alternatives in Education wurde 1999 produziert, weit verbreitet und übersetzt, und regte eine neue Aktionswelle sowie das Engagement von Menschen in vielen weiteren europäischen Ländern wie die Ukraine und die Staaten des ehemaligen Jugoslawien an. Neue Kontakte wurden außerdem mit Brasilien, Kuba, Georgien, Indien und Südafrika geknüpft.
Bis zum Jahr 2000 hatten sich die weltweiten Kontakte gefestigt, und EuroNICHE wurde offiziell zu einem globalen Netzwerk: InterNICHE, das International Network for Humane Education ("Internationales Netzwerk für Humane Bildung"). Das Ansehen des Netzwerkes war bedeutend gestiegen, unterstützt durch die Arbeit der Länderkontakte und vermehrte Gelegenheiten für Vorträge des Koordinators auf nationalen und internationalen Konferenzen zu tierverbrauchsfreien Methoden - sogar als ‚Fachberater' der Europäischen Kommission. Ein erweitertes Lehrmaterial-Ausleihsystem und eine neue Webseite, beides 2001 realisiert, trugen weiter zu einem wachsenden Bewusstsein für tierverbrauchsfreie Lehrmethoden und zur Unterstützung eines Ersatzes der Tierversuche bei. Wieder stießen neue Länder, z.B. der Iran, zum Netzwerk hinzu.
Die Verbreitung dieses Buches und die Werbung für weitere InterNICHE-Ressourcen hat bereits Aktivitäten in Asien, in Lateinamerika und in Ländern des Nahen Ostens gefördert, in dem Maße wie auch die Studierenden und die NROs immer mehr an Stärke gewinnen und die moderne Technik zunehmend auch in der biowissenschaftlichen Lehre Anwendung findet. Auch in Ländern, die bereits im Netzwerk vertreten sind, wurde zu einer zunehmenden Ersetzung der Tierversuche und einer weiteren Konsolidierung des fortschrittlichen Wandels beigetragen.
InterNICHE ist eine gemeinnützige, wohltätige Organisation, die bei einem Großteil ihrer Aktivitäten auf Spenden angewiesen ist. Freiwilliges Engagement und Kreativität spielen ebenso eine große Rolle. Die Zahl der Engagierten im Netzwerk hat sich seit Ende der 90er Jahre aller zwei Jahre verdoppelt; auch ist InterNICHE das einzige internationale Aktionsnetzwerk für tierverbrauchsfreie Lehrmethoden in der Hochschulbildung.
Projekte und Aktivitäten
Vom Versuchstier zur Computermaus
Diese zweite Auflage von Vom Versuchstier zur Computermaus spiegelt die gewaltige Zunahme der tierverbrauchsfreien Lehrmittel und -methoden, aber auch von InterNICHE selbst, wider.
Verglichen mit der 1. Auflage handelt es sich, was Inhalt und Umfang sowie die aktualisierten Produktvorstellungen angeht, fast um ein gänzlich neues Buch, das ausführliche Informationen und Fallstudien enthält und weiterführende Quellen benennt. Die Druckauflage ist auf das 10fache gestiegen.
Es ist sehr nützlich, praktische Informationen zu tierverbrauchsfreien Methoden in gedruckter Form sowie online in Datenbanken vorliegen zu haben, sodass einfach und schnell eine ganze Publikation durchsucht werden kann. Eine ganze Palette verschiedenster Medien kann mehr Menschen erreichen und ist integrativ anstatt ausschließend: So sind in manchen Ländern und Regionen eher Bücher als Computer das Hauptmedium für die Informationsrecherche; auch sind Computer nicht überall verfügbar oder erschwinglich, auch wenn sie in den Industriestaaten fast schon allgegenwärtig sind, und schließlich kann nicht überall eine schnelle und günstige Internetverbindung vorausgesetzt werden. Ein Buch ist daher vielerorts das kulturell angemessenste und praktischste Medium. Übersetzungen in mindestens 12 Sprachen sind mit Unterstützung von RSPCA in Arbeit; außerdem sind Internet- und CD/DVD-Versionen verfügbar.
Videofilm zu tierverbrauchsfreien Lehrmethoden
Das InterNICHE-Video Alternatives in Education kam 1999 heraus und wurde von einer ganzen Reihe von Gruppen, u.a. dem Schwedischen Fonds für Forschung ohne Tierversuche und dem Dr Hadwen Trust for Humane Research, gesponsort. Damit steht ein weiteres Medium zur Verfügung, das tierverbrauchsfreie Lehrmethoden bekannt machen soll, indem beispielhaft Lehrmittel für verschiedene Disziplinen demonstriert werden. Der 33-minütige Film zeigt Dozenten bei der Vorführung von Lehrmethoden, die sie selbst entwickelt haben und/oder in ihrem Praxisunterricht einsetzen. Dem neuesten Stand der Technik entsprechendeTools wie Multimedia-Software und hochqualitatives Video, sowie tierverbrauchsfreie Ansätze wie studentische Selbstversuche und die Sezierung ethisch erworbener Kadaver werden grafisch dargestellt und mit positiven anekdotischen Bewertungen von Dozenten und Studierenden illustriert.
Das Video eignet sich für Dozenten und Studierende der Biowissenschaften, für Ethik-Kommissionen, Gesetzgeber und Tierrechtler. Es wird bereits als Referenzmaterial zur Bekanntmachung der Studierenden und Fakultäten mit tierverbrauchsfreien Lehrmethoden und einschlägigen Produktinnovationen, als Unterrichtsmaterial im biowissenschaftlichen Studium und für Laborübungen zu Heileingriffen, sowie als Kampagnenmaterial von Tierrechtlern genutzt. Mehr als 2000 Stück wurden direkt an Universitätsbibliotheken, Dozenten und andere in rund 60 Ländern verteilt. Mit Unterstützung der World Society for the Protection of Animals (WSPA) wurde das Video in 20 verschiedene Sprachen übersetzt. Weiterhin wurde es bereits bei verschiedenen nationalen und internationalen Konferenzen zu tierverbrauchsfreien Methoden gezeigt, und wurden in vielen Ländern Ausschnitte daraus im Fernsehen ausgestrahlt. 1999 wurde das Video und die Arbeit von EuroNICHE in Osteuropa mit dem Naef Prize for Alternatives ausgezeichnet.
Alternatives in Education kann auch von der InterNICHE-Webseite (www.interniche.org) heruntergeladen werden und wird der CD/DVD-Version dieses Buches beigefügt werden.
Lehrmaterial-Ausleihsystem
Bei der Vertrautmachung mit tierverbrauchsfreien Methoden und deren Bewertung durch Dozenten und Studierende ist es wichtig, dass diese die Möglichkeit haben, die Alternativmethoden erst einmal auszuprobieren. InterNICHE hat daher sein Lehrmaterial-Ausleihsystem im Jahr 2001 auf über 100 verschiedene hochmoderne Produkte - darunter CD-ROMs, Videos, Phantome und Simulatoren - erweitert. Die im Ausleihsystem verfügbaren Produkte wurden nach ihrer pädagogischen Qualität und ihrem Potenzial zur Ersetzung von Tierversuchen ausgewählt (die aktuelle Liste der Produkte finden Sie in Teil D - Weitere Ressourcen oder auf der InterNICHE-Webseite) und decken die wichtigsten Bereiche wie Anatomie, Physiologie, Pharmakologie, klinische Fertigkeiten und Chirurgie ab.
Als größte Bibliothek für tierverbrauchsfreie Lehrmethoden bietet das Ausleihsystem Lehrmaterialien zur freien Ausleihe in fast alle Länder der Welt. Die Ausleiher zahlen lediglich das Rückporto nach Slowenien, wo das Ausleihsystem gegenwärtig verwaltet wird. Diese Einrichtung ermöglicht es, einzelne Produkte auf ihre Relevanz für bestimmte Seminare hin von Dozenten bewerten zu lassen, und bietet denjenigen, die noch nicht so gut mit den neuesten Entwicklungen vertraut sind, eine Möglichkeit, die Qualität und den Umfang der vorhandenen tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien kennenzulernen. Auch zum Ersatz konkreter tierverbrauchender Übungen durch studentische Verweigerer aus Gewissensgründen, zur Vorstellung und Demonstration an Instituten und auf Konferenzen, sowie zur Unterstützung verschiedener Aktivitäten der InterNICHE-Länderkontakte werden Produkte aus dem Ausleihsystem genutzt. Bei dem Bemühen um einen Ersatz des schädigenden Tiergebrauchs kann das Ausleihsystem einerseits als Ermutigung und Motivation und andererseits als praktische Hilfe dienen.
Bisher haben zahlreiche Dozenten, Studierende, Organisationen, Ethik-Kommissionen und Ministerien in über 40 Länder insgesamt fast 200 Leihen durchgeführt; im Durchschnitt wurden jeweils 7 Materialien ausgeliehen. So werden Dozenten und Studierende in ihren eigenen Büros und Labors zunehmend mit tierverbrauchsfreien Lehrmethoden bekannt gemacht. Der unmittelbare Erfolg des Ausleihsystems zeigt sich aber z.B. darin, dass im Anschluss an die Ausleihe von tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien durch deren Kauf und Implementierung tatsächlich Tierversuche ersetzt wurden und werden.
Vier kleinere 'Mikro-Ausleihsysteme' wurden in Brasilien, Russland, Indien und Japan eingerichtet, um auch in diesen Regionen Lehrmaterialien demonstrieren und ausleihen zu können. Bibliotheken erfordern eine ständige Aktualisierung. Um unseren Bestand stets aktuell und von größtmöglicher Relevanz zu halten, sind Empfehlungen unserer Leser zur Aufnahme neuer tierverbrauchsfreier Lehrmaterialien sehr willkommen.
Webseite und Mailingliste
Seit 2001 bietet InterNICHE die weltweit umfassendste Webseite zu tierverbrauchsfreien Lehrmethoden. Unter der Adresse www.interniche.org finden alle, die mit Tiergebrauch in Berührung kommen oder sich mit tierverbrauchsfreien Methoden beschäftigen, eine breite Palette an Materialien und Hilfsmitteln. Zudem bietet die Seite stets aktuelle Nachrichten und Hintergrundinformationen zum Thema. Die Seite beinhaltet ausführliche Informationen zu den von InterNICHE angebotenen Ressourcen, Links zu anderen Organisationen und deren Ressourcen, sowie den aktuellen Bestand des Lehrmaterial-Ausleihsystems einschließlich Kontakt zu den Herstellern. Desweiteren finden Verweigerer aus Gewissensgründen Beratung und Unterstützung, so z.B. durch Berichte von Studierenden aus aller Welt, und verschiedene Fotogalerien.
Der gesamte Text dieses Buches, einschließlich der Produkt-Datenbank in Teil C - Lehrmethoden-Katalog, wird ebenfalls auf der Webseite veröffentlicht. Online-Datenbanken zu tierverbrauchsfreien Methoden werden immer häufiger als ‚Pflichtlektüre' für Dozenten und Forscher gekennzeichnet, bevor diese sich an Tierethik-, Tierschutz- und Tiernutzungs-Kommissionen wenden können. Damit sollen die Dozenten nachweisen, ihrer moralischen und rechtlichen Verpflichtung nachgekommen und ‚alle denkbaren Alternativen' zum Tiergebrauch untersucht zu haben. Die InterNICHE-Webseite verzeichnet eine stetig steigende Besucherzahl: allein 2004 wurden fast 1 Million Besuche gezählt. Übersetzungen der Webseite in weitere Sprachen wurden begonnen, u.a. in Russisch, Polnisch, Arabisch und Japanisch. Regionale Abweichungen bestimmter Inhalte sind ein Zeichen für die kulturelle Vielfalt in diesem Bereich und innerhalb des Netzwerkes, und sorgen für eine angemesse Lokalisierung.
Die InterNICHE-Mailingsliste konzentriert sich auf tierverbrauchsfreie Lehrmethoden und Verweigerung aus Gewissensgründen, und ist offen für alle. Jeder kann sich über die Webseite in die Mailingsliste eintragen.
Internationale Auszeichnungen
2002 hat InterNICHE einen jährlich zu vergebenden Humane Education Award (Auszeichnung für Humane Ausbildung) ins Leben gerufen, der von der niederländischen Tierversuchsgegner-Organisation Proefdiervrij finanziert wird. Dozenten und Studierende jeweils ausgewählter geografischer Regionen werden eingeladen, Vorschläge einzureichen, welches Projekt zum Ersatz von schädigendem Tiergebrauch finanziert werden soll. Diese Vorschläge werden dann nach ihrem allgemeinem ethischen Konzept, nach ihrem Potenzial zur Ersetzung von Tiergebrauch, nach ihrem pädagogischen Wirksamkeitspotenzial und nach der studentischen Beteiligung am Projekt bewertet. Besonders erwünscht sind Vorschläge zur Erstellung von Freeware-CD-ROMs, Videos, Modellen oder Phantomen, die den Tiergebrauch in Praxisseminaren ersetzen können, sowie weiterhin zum Kauf von bereits vorhandenen Produkten zu ähnlichen Zwecken, zur Einrichtung von Tierspenden-Programmen für die Nutzung natürlich gestorbener Tiere im Anatomieunterricht oder für chirurgische Übungen; und zur Einrichtung studentischer Selbstversuchsprogramme zur Ersetzung von Tieren im Physiologie-Praxisunterricht.
So wurden mit der Auszeichnung des Jahres 2002 den Ländern Südosteuropas 20.000 Euro zur Verfügung gestellt. An der veterinärmedizinischen Fakultät in Bukarest, Rumänien, konnten die Lehrkräfte mit Hilfe des Zuschlags eine neue Freeware-CD-ROM für den veterinärmedizinischen Physiologieunterricht entwickeln. Damit wurde der jährliche ‚Verbrauch' von 1.000 Fröschen, Ratten, Mäusen und Kaninchen ersetzt, und wurde außerdem aktiv Werbung in ganz Rumänien betrieben, um noch möglichst viele weitere Ersetzungen in ähnlichen Kursen anderer Universitäten zu erreichen.
Eine Initiative führte zum Ersatz des Tierverbrauchs im Pharmakologie- und Toxikologie-Unterricht der veterinärmedizinischen Fakultät, und eine zweite Initiative hat zum Ziel, den zahlreichen studentischen Verweigerern an der Teilnahme im Kurs ‚Experimentelle Physiologie' an der biologischen Fakultät einen tierverbrauchsfreien Unterricht zu bieten.
Dozenten an der veterinärmedizinischen Fakultät in Bukarest, Rumänien, haben mit dem Geld aus dem Zuschlag eine neue Freeware-CD-ROM für den Tierphysiologie-Unterricht entwickelt. Damit wird der jährliche ‚Verbrauch' von 1.000 Fröschen, Ratten, Mäusen und Kaninchen ersetzt, und durch aktive Werbung in ganz Rumänien sollen noch möglichst viele weitere Ersetzungen in ähnlichen Kursen erreicht werden. Außerdem wurde die Fakultät mit einer Spende von 16 generalüberholten gebrauchten Computern aus Großbritannien unterstützt, mit denen ein neues ‚Tierverbrauchsfreies Labor' eingerichtet und die Nutzung der neuen CD-ROM und anderer Lehrmaterialien gefördert werden soll. Auch die Medizin- und Pharmazie-Hochschule in Iasi, Rumänien, erhielt neben der Finanzierung des Kaufs von tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien zusätzlich gebrauchte Computer.
Desweiteren wurde an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Sarajevo in Bosnien-Herzegowina die Entwicklung einer Reihe an kleinen und großen Tiermodellen und -phantomen für den Anatomieunterricht und klinische Übungen finanziert. An der Universität Belgrad in Serbien diente das Geld zum Kauf von Multimedia-Software, wodurch der Tierverbrauch im Pharmakologie- und Toxikologieunterricht der veterinärmedizinischen Fakultät ersetzt werden konnte. In Kroatien schließlich erhielt das Institut für Tierphysiologie der Universität Zagreb ein hochmodernes Biopac-Gerät für studentische Selbstversuche, mit denen invasive und tödliche physiologische Versuche an mindestens 100 Tieren jährlich vollständig ersetzt werden. Die Vielfalt der mit diesem Gerät durchführbaren Versuche hat außerdem einige neue Praxiskurse ermöglicht, die bisher noch nicht angeboten wurden und die die Unterrichtsqualität weiter verbessert haben.
Den gleichen Umfang an finanzieller Unterstützung bot der Humane Education Award 2003 außerdem für Projekte in Indien. So erhielt der Chefredakteur des Indian Journal of Pharmacology eine Unterstützung bei der Erstellung einer Freeware-Kompilation von pharmakologischen Tierversuchs-Simulationen. Mehr als 2000 dieser CD-ROMs wurden über das Journal kostenlos an Pharmakologie-Dozenten im ganzen Land verteilt, und weitere 1000 Stück wurden anderweitig vertrieben. Durch die Implementierung dieser Software konnten bisher bereits 1600 Tierversuche direkt ersetzt werden.
Am Shree S. K. Patel College of Pharmaceutical Education and Research in Mehsana, Gujarat, wird derzeit von Dozenten eine Simulations-Freeware für die Pharmakologie und Physiologie erstellt, wobei sie für die Erstellung der Inhalte auf bereits vorhandene Daten zurückgreifen, anstatt neue Tierversuche durchzuführen. Die Software wird mehr als 200 Tierversuche am Institut direkt ersetzen und kann potenziell auch an über 500 weiteren Pharmazie-Instituten sowie 300 human- und veterinärmedizinischen Instituten andernorts Tierversuche ersetzen. Am Acharya N. G. Ranga Agricultural University College of Veterinary Science in Hyderabad erstellen Pharmakologen derzeit eine Freeware-CD-ROM für experimentelle Veterinärpharmakologie, um schwere Eingriffe an Fröschen, Ratten und Hunden zu ersetzen, wobei auch hier der Erstellungsprozess tierverbrauchsfrei bleibt. Desweiteren erhielt das Physiologie-Institut am Acharya Shri Chander College of Medical Sciences and Hospital in Jammu eine Reihe von tierverbrauchsfreien Physiologie-Lehrmaterialien, um die Ersetzung von Tierversuchen am Institut zu fördern.
Biologen am Zoologischen Institut des Madras Christian College entwickeln derzeit eine Freeware-CD-ROM mit einer Reihe von Sezierungen für den Zoologie-Unterricht. In den letzten Jahren wurden allein im indischen Bundesstaat Tamil Nadu jedes Jahr schätzungsweise jeweils 100.000 Tiere pro Spezies (mehr als 10 Spezies) zu Zwecken des Zoologie-Unterrichts getötet. Dass sich diese Zahl in letzter Zeit verringert hat, bedeutet, dass einige Studierende weniger praktischen Unterricht erhalten. Die Software wird dazu beitragen, dass wieder ein breiteres Spektrum an Praxisunterricht ermöglicht und gleichzeitig die Ersetzung weiterer Sezierungen im ganzen Land unterstützt wird.
Eine Reihe von tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien wurde desweiteren dem Institut für Veterinäranatomie und -histologie am NTR College of Veterinary Science in Gannavaram gespendet, um die Einrichtung einer neuen Bibliothek mit tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien zu unterstützen und damit die bereits laufende Reduzierung von schädigendem Tiergebrauch am Institut weiter zu fördern. Experten am Veterinary College in Bidar, Karnataka, planen die Durchführung eines kleineren Projektes zur Konservierung von Tierkadavern und -organen mittels Plastination und ähnlicher Verfahren, wobei die Kadaver von InterNICHE ethisch erworben werden. Und schließlich finanzierten mehrere Organisationen die Verteilung von in Indien hergestellten Büffelkalb-Modellen an veterinärmedizinische Institute im ganzen Land.
Verweigerung aus Gewissensgründen und Unterstützung der Studierenden
Angesichts des oft emotional geladenen Widerstands gegen eine humane Wissenschaft und der drohenden akademischen oder psychologischen Bestrafung durch manche Dozenten, ist die Unterstützung studentischer Verweigerer aus Gewissengründen von äußerster Wichtigkeit. Die Existenz eines Netzwerkes, das Rat und Information bietet, und die Erfahrungen anderer Studierender, die bereits ähnliche Situationen erlebt haben, kann den Verweigerern Mut machen und zum Durchhalten Kraft geben. So wurde eine Broschüre mit Erfahrungsberichten von 12 studentischen Verweigerern erstellt, die neben vielen weiteren Berichten auch auf der InterNICHE-Webseite zu finden sind. Praktische Tipps, wie man seine Teilnahme verweigert und weiter vorgeht, sowie all die anderen InterNICHE-Ressourcen wie z.B. das Video Alternatives in Education oder das Lehrmaterial-Ausleihsystem, stehen den Studierenden ebenfalls zur Verfügung.
InterNICHE-Konferenzen
InterNICHE lädt aller zwei bis vier Jahre zu einer großen internationalen Konferenz ein. Bei dieser Gelegenheit sind führende internationale und nationale Sprecher zu hören, werden anspruchsvolle Workshops geboten, kann eine Ausstellung der neuesten tierverbrauchsfreien Lehrmaterialien besucht werden, und gibt es Raum für jede Menge Diskussionen und Vernetzungen. Die Konferenzteilnehmer sind u.a. Dozenten, Produktentwickler, Studierende und Tierrechtler. Bis 1998 wurden diese Konferenzen, von den jeweiligen Länderkontakten organisiert, jährlich und immer in einem anderen Land abgehalten, sodass in so verschiedenen Regionen wie Italien, Schweden und Rumänien regelmäßig Zusammenkünfte zum Thema stattfanden.
Bei der ersten InterNICHE-Konferenz 2001 in Belgien waren Teilnehmer aus 15 Ländern gekommen, so z.B. aus den USA, Brasilien und Indien, sowie aus ganz Europa. Bei der zweiten InterNICHE-Konferenz 2005 in Oslo waren 32 Länder vertreten, so auch aus Nahost und Asien. Solche Konferenzen sind thematisch hoch konzentrierte Veranstaltungen, beachten aber dennoch die Querverbindungen zwischen den verschiedenen Themenbereichen. Sie sind optimistisch und verbreiten einen positiven Geist, und möchten eine sehr praxisnahe Botschaft und die Befähigung zum Engagement für Ersatzmethoden vermitteln.
Öffentlichkeitsarbeit
Als Teil ihrer nach außen orientierten Arbeit beteiligen sich die InterNICHE-Länderkontakte oft an der Organisation und Mitwirkung bei lokalen und nationalen Veranstaltungen. Dazu gehören u.a. Seminare und Konferenzen zu tierverbrauchsfreien Methoden, Präsentationen auf akademischen Treffen sowie verschiedene Tierschutzveranstaltungen, aber auch die Vorstellung tierverbrauchsfreier Lehrmethoden vor Dozenten und Studierenden im kleineren Maßstab. Der InterNICHE-Koordinator hilft ebenfalls bei der Organisation mit und hält bei verschiedenen nationalen und internationalen Konferenzen zu tierverbrauchsfreien Lehrmethoden und verwandten Themen Vorträge und Redebeiträge.
Öffentlichkeitsarbeits-Touren in verschiedene Länder, die von den jeweiligen nationalen Kontaktpersonen und dem Koordinator gemeinsam organisiert werden, bringen die Vision und praktische Arbeit von InterNICHE einer großen Anzahl an Studierenden und Dozenten an ihren eigenen Instituten nahe. So fand 1995 ein Besuch verschiedener Universitäten in Moskau und Tartu (Estland) statt, gefolgt von Besuchen in drei polnischen Städten. An den Touren nach Russland und Polen nahmen auch einige Koproduzenten der Softwarereihe Virtual Physiology teil, die dort ihre neue Software vorstellten und mit lokalen Dozenten zusammentrafen.
Im Jahr 2000 folgte ein kurzer Besuch in Kroation sowie eine längere Tour durch die Ukraine, die Besuche in acht Instituten in Charkow, Kiew und Odessa umfasste, um für eine tierverbrauchsfreie Lehre zu werben und die frisch übersetzten russischen und ukrainischen Versionen des Videos Alternatives in Education zu zeigen. Dabei gab es auch Gelegenheit zu Gesprächen mit Studierenden und einzelnen Dozenten, bei denen sich Mitarbeiter für das Ukraine Alternatives Project von RSPCA und InterNICHE fanden, welches wenig später in Angriff genommen werden konnte.
Nach einer großen Konferenz der indischen Regierung zu tierverbrauchsfreien Methoden in Neu-Delhi im Februar 2003 folgte eine indienweite Öffentlichkeitsarbeits-Tour des InterNICHE-Koordinators mit Besuchen an 20 veterinär- und humanmedizinischen Instituten in acht indischen Städten. Die Tour umfasste außerdem die Verteilung von 1200 kostenlosen Exemplaren dieses Buches und die Ausschreibung des Humane Education Award 2003. Im Jahr 2004 wurden weitere Öffentlichkeitsarbeits-Touren nach Dänemark, nach Portugal und in die Tschechische Republik organisiert.
Gemeinschaftsprojekte und Zusammenarbeit
Ein Großteil der Arbeit von InterNICHE sind Gemeinschaftsprojekte mit Sponsoren, Dozenten und Anderen. Zudem arbeitet InterNICHE mit NORINA und Gruppen wie dem Europäischen Ressourcen-Zentrum für tierverbrauchsfreie Methoden in der Hochschulbildung (EURCA) zusammen.
Das Ukraine Alternatives Project ist ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt zu Ersatzmethoden, das aus der InterNICHE-Öffentlichkeitsarbeits-Tour in die Ukraine, RSPCA-Investitionen in ein ‚Tierverbrauchsfreies Labor' an der Kiewer Staats-Universität sowie aus verschiedenen lokalen Initiativen hervorging. 2001 wurde überdies eine landesweite Bibliothek für tierverbrauchsfreie Lehrmaterialien eingerichtet, von der Dozenten aus dem ganzen Land Lehrmittel ausleihen können. Vor der Einrichtung dieser Bibliothek erhielten verschiedene Institute zudem eine Reihe von Lehrmaterial-Spenden. So wurden einige Tierversuche inzwischen bereits ersetzt. Auf einer Konferenz zu tierverbrauchsfreien Lehrmethoden im Jahr 2002 konnten schließlich die bisherigen Erfahrungen untereinander ausgetauscht und weitere Ersetzungen geplant werden.
2004 organisierte InterNICHE in Zusammenarbeit mit der World Society for the Protection of Animals (WSPA) sowie lokalen Tierschutzorganisationen aus 10 Städten ein umfassendes Schulungsprogramm für ganz Indien. Die Seminarreihe ‚Tierverbrauchsfreie Lehrmethoden, Tierschutz und Lehrplan' umfasste die von indischen Akademikern durchgeführte Schulung von mehr als 400 Dozenten in einer Reihe von hochmodernen tierverbrauchsfreien Lehrmethoden aller Fachbereiche, sowie die Vorstellung des von WSPA entwickelten Lehrplans ‚Tierschutzkonzepte', der zu einer effektiven Umsetzung tierschutzgerechten Unterrichts in veterinärmedizinischen und anderen Studiengängen beitragen soll.
Eine Vielzahl weiterer Projekte ist möglich. InterNICHE lädt alle Leser herzlich ein, mit uns Kontakt aufzunehmen und gemeinsame Wege zu erkunden.
Back
|
| |
|