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InterNICHE Co-ordinator
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Ethische Chirurgie-Praktika für Studierende der Veterinärmedizin
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Daniel D. Smeak
Abteilung für Kleintier-Chirurgie, Veterinärmedizinische Fakultät der Ohio State University, USA
Entwicklungen in der chirurgischen Ausbildung1
Soweit die dokumentierte Geschichte zurückreicht, wurden Tiere und Menschen benutzt, um Lernenden wichtige chirurgische Techniken und Prinzipien beizubringen. Bis vor kurzem basierte die chirurgische Ausbildung auf einer Art ‚Meister-Lehrlings-Verhältnis': Die Studierenden beobachten und lernen, während sie dem Chirurgen bei Operationen an klinischen Patienten assistieren (daher halten sich noch immer viele Chirurgen an das Prinzip ‚Lehren durch Zusehen- und Nachahmenlassen'). In jüngerer Zeit entstand jedoch ein erhöhter Bedarf an qualifizierten Chirurgen, sodass die Lehrenden sich gezwungen sahen, einen anderen, vielleicht effizienteren Ansatz für die chirurgische Ausbildung zu finden. Gesunde Tiere wurden für geeignete Subjekte gehalten, um den Studierenden chirurgische Prinzipien und Prozeduren beizubringen, ohne von der begrenzten und unregelmäßigen Anzahl klinischer Patienten abhängig zu sein. Die Verwendung gesunder Tiere ermöglichte es den Lehrenden, Praxisunterricht für chirurgische Prozeduren zu entwickeln, die ein einheitlicheres Niveau der Absolventen in der chirurgischen Kompetenz und Erfahrung sicherstellen sollten. Leider wurde für diese Veränderung in den Lehrmethoden eine große Anzahl von Tieren geopfert. Heute führt die ‚explosionartige' Entwicklung der Informationstechnik die Studierenden der Medizin aus dem Praxislabor in den Seminarraum. Teilweise aus ethischen, teilweise aus finanziellen Gründen verfügen Studierende der Medizin, die eine zusätzliche chirurgische Ausbildung wünschen, heute über ein gut ausgebautes Doktoranden-Programm. Darum besteht heute nur noch wenig Bedarf an chirurgischen Laborübungen im Studium, sodass sich der Kreis wieder schließt und die chirurgische Ausbildung in der Humanmedizin weiterhin hauptsächlich auf dem ‚Meister-Lehrlings-Verhältnis' basiert, indem klinische Patienten als reale Lehrsubjekte dienen.
Von einem Absolventen der Humanmedizin erwartet die Öffentlichkeit, dass er kleinere Schnittwunden reparieren kann, aber nicht unbedingt Komplizierteres. Bei Tierärzten ist dies jedoch anders. Fast überall auf der Welt wird von jedem Absolventen der Veterinärmedizin erwartet, dass er kompliziertere Operationen durchführen kann. Im Bereich der Tiermedizin gibt es also noch einen öffentlichen Bedarf (sowohl privat als auch industriell) an kompetenten Chirurgen. Anders als in der Humanmedizin sind hier aber nur wenige Möglichkeiten einer chirurgischen Ausbildung für Doktoranden verfügbar. Daher müssen veterinärmedizinische Fakultäten ihre Studierenden weiterhin im Studium zu chirurgisch kompetenten Absolventen ausbilden.
In veterinärmedizinischen Laborseminaren wurden gewöhnlich anhand einer ‚vefahrensorientierten' Methode psychomotorische Fertigkeiten gelehrt. Das heißt, der Studierende führt ein gefordertes chirurgisches Verfahren an einem lebendigen Tier aus und erwirbt grundlegende chirurgische Fertigkeiten vor allem durch - Versuch und Irrtum während der Übung. Wegen der begrenzten Anzahl an Chirurgiedozenten an den Universitätskliniken steht nicht genügend Zeit zur Verfügung, um in diesen Tierversuchs-Laborseminaren jedem Studierenden die Übung zu ermöglichen, die er für die geforderten Grundlagenfertigkeiten benötigt. Folglich sind die meisten Übungsprozeduren der Studierenden anfänglich fehlerhaft und machen Wiederholungen und Verlängerungen nötig. Solche negativen Erfahrungen führen wiederum zu geringem Selbstvertrauen und Frustration bei sowohl Studierenden als auch Lehrenden. Dennoch gilt diese Lehrmethode als bewährt für die Übung grundlegender chirurgischer Fertigkeiten. Auch ich selbst wurde im Studium der Veterinärmedizin so unterrichtet.
Es kann argumentiert werden, dass dieser ‚verfahrensorientierte' Laborunterricht die klinische Operationserfahrung angemessen simuliert; allerdings gibt es wesentliche Unzulänglichkeiten: Die Bewertung der studentischen Leistungen ist schwierig, da jedes Tier verschieden auf Verletzungen reagiert und unterschiedlich viel Blut verliert. Der Vorgang wird üblicherweise nur einmal durchgeführt, was kaum genug Zeit bringt, um Sicherheit in den Fertigkeiten zu gewinnen und sie langfristig aufrechtzuerhalten. Außerdem müssen mehrere Studierende an einem Tier üben, was die Übungszeit für den Einzelnen noch mehr verkürzt. Der gestiegene Druck auf die Dozenten, in höherem Maße wissenschaftlich tätig zu sein, reduziert die Zeit der Dozenten für eine individuelle Einübung von Fertigkeiten zusätzlich. Weiterhin zeigen die meisten der für die Studierenden zur chirurgischen Anleitung verfügbaren Videobänder eher gesamte Prozeduren, anstatt auf die grundlegenden Fertigkeiten einzugehen, die für jede Operation beherrscht werden müssen.
Ich bin davon überzeugt, dass die Studierenden mit modernen, tierverbrauchsfreien Lehrmethoden besser für die klinische Chirurgie ausgebildet werden können. Die wertvolle Zeit, die der Studierende damit verbringt, die grundlegenden Fertigkeiten mit Versuch und Irrtum am lebendigen Tier zu lernen, könnten besser dafür genutzt werden, die wichtigeren Aspekte der realen Operationssituation zu erlernen, nämlich die Handhabung von Gewebe, die Auswirkungen schlechter Hämostase, oder die Reaktion spezifischer Gewebe auf Verletzung. Die Veterinärmedizin muss sich weiter um Alternativen zu dem extensiven Gebrauch lebendiger Tiere für chirurgische Übungen bemühen. Die gegenwärtigen finanziellen Engpässe, der Zuwachs an Gesetzen und Regulierungen, die heute immer stärker werdende Sensibilisierung für den Tiergebrauch in der Öffentlichkeit, bei Lehrkräften und Studierenden, sowie der große Bedarf an Bewertungen von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Entwicklungen in diesem Bereich.
Einführung von Selbstlernprogrammen und Simulatoren in unseren Lehrplan
Wenn psychomotorische Fertigkeiten anhand von Simulatoren (Modellen) und Standard-Videopräsentationen effektiv gelehrt werden könnten, würden die zu Unterrichtszwecken eigens gezüchteten ‚Labortiere' stark reduziert oder gar nicht mehr benötigt. Der ‚verfahrensorientierte' Laborunterricht bestärkt die Studierenden in ihrer Ansicht, dass sie keine Prozedur erfolgreich ausführen können, es sei denn, sie haben sie zuvor geübt. Studierende hingegen, die die chirurgischen Grundlagenfertigkeiten anhand unbelebter Modelle erlernt haben und vollständig beherrschen, erfahren sehr schnell, dass sie eine Prozedur unter Beobachtung durchführen und lernen können, ohne diese Prozedur vorher gesehen zu haben. Dies führt zu einer Einstellung, die dem Lernen förderlich ist, und oft zu mehr Selbstvertrauen und weniger Frustration bei den Studierenden. Die Bewertung der chirurgischen Fertigkeiten ist tendenziell objektiver, weil ein einheitliches Modell anstatt verschiedener lebendiger Tiere für die Übungen benutzt wird.
Die Nutzung von Simulatoren hat gegenüber den herkömmlichen Praxisseminaren, die tote oder lebendige Tiere benutzen, verschiedene Vorteile. In Kombination mit Selbstlerntutorien werden ethische, kosteneffektive und transportable Simulatoren eingesetzt, die es jedem Studierenden ermöglichen, Zeit, Ort und Häufigkeit seiner Übungen selbst zu wählen. So kann die den Studierenden zur Verfügung stehende Übungszeit individuell an die Bedürfnisse angepasst werden. Studierende ohne chirurgische Erfahrungen oder mit schwachen psychomotorischen Fertigkeiten benötigen sicherlich mehr Zeit oder mehr Wiederholungen, um bestimmte Fertigkeiten sicher zu beherrschen. In den meisten herkömmlichen Praxisseminaren arbeiten jeweils drei oder mehr Studierende an einem Tier, und wird die Übung nur während bestimmter Aufsichtszeiten des Labors durchgeführt. Zeitliche Begrenzungen und die Laborumgebung sind für viele Studierende dem Lernen wahrscheinlich weniger förderlich. Durch die wiederholte Übung an Simulatoren festigen die Studierenden ihre motorischen Fertigkeiten und werden immer sicherer und effizienter.
Wenn ich meine eigenen Lehrmethoden und deren Ergebnisse kritisch betrachte, stelle ich fest, dass die Studierenden ohne die Möglichkeit, eine im Video-Selbstlernprogramm gezeigte Fertigkeit selbst zu üben, die feinen aber wichtigen Schritte der gezeigten Übung nicht lernen. Videopräsentationen sind zwar hilfreich, um die Gesamtkonzepte und Schritte zu verstehen, aber sie tragen kaum zum Erlernen der psychomotorischen Fertigkeiten bei. Psychomotorische Fertigkeiten kann man nicht erlernen, indem man an Computerprogrammen arbeitet oder Videopräsentationen ansieht. Außerdem sollten die Studierenden Ursache und Wirkung der wichtigsten Schritte der Prozedur beobachten können, bevor sie das Selbstvertrauen entwickeln, die Prozedur selbst durchzuführen. Definitiv werden die hocheffizienten, tierverbrauchsfreien Lehrmethoden der Zukunft stark auf der Interaktion des Studierenden mit dem Lehrmittel basieren.
Das Konzept des Modell-/Video-Unterrichts ist nicht neu. Wahrscheinlich am erfolgreichsten wird dieser Ansatz in der human- und veterinärmedizinischen Doktoranden-Ausbildung im Bereich der internen Fixierung von Frakturen praktiziert. Als Übungsmodelle werden Kunststoffknochen eingesetzt und die Technik wird durch sorgfältig ausgeführte und erläuterte Standard-Videopräsentationen gelehrt. Ich selbst habe im Chirurgie-Einführungsunterricht jahrelang Schaumstoffmodelle und Knottechnik-Modelle verwendet und finde die Ergebnisse sehr vielversprechend (Videopräsentationen zu Grundlagentechniken der Hämostase, Grundlegende Nahttechniken, Veterinärmedizinische Fakultät der Ohio State University). Zu Beginn meiner Lehrplan-Ausarbeitung fand ich zunächst keine kontrollierten Prüfungen, die diese Art der Lehre im Vergleich zu herkömmlicheren Methoden der chirurgischen Übung bewerteten. Also war der erste Schritt einer Entwicklung von tierverbrauchsfreien Lehrmethoden, die Effizienz dieser Lehrmethode zu untersuchen, bevor sie im Chirurgie-Lehrplan eingesetzt werden konnte.
Für meine erste Bewertung eines Selbstlernprogramms anhand von Videos oder Modellen wählte ich aus folgenden Gründen das Hämostase-Modell: 1) Die Ligatur ist eine Universaltechnik für jede erfolgreiche Operation. 2) Diese Technik ist dafür bekannt, dass sie den Studierenden zu Beginn der chirurgischen Übungen besonders schwer fällt. 3) Sie ist leicht zu bewerten und zu simulieren. Und 4) sollte sie relativ wenig Übungszeit erfordern, um sie professionell zu beherrschen. Zwanzig Veterinärmedizinstudenten ohne chirurgische Erfahrungen wurden willkürlich in Paare eingeteilt und zu zwei Untersuchungsgruppen aufgeteilt. Zehn Studierende (Gruppe V) sahen ein Video zur Hämostasetechnik, bis sie sich eine kompetente Durchführung und Assistenz bei der Durchführung einer manuell gebundenen Ligatur eines Blutgefäßes an einem lebenden Tier selbst zutrauten. Die anderen zehn Studierenden (Gruppe VS) bekamen zusätzlich einen Simulator zur Übung der Technik. Anschließend führten die Studierenden paarweise die Ligation eines blutenden Gefäßes durch bzw. assistierten dabei, wobei ihre Leistung auf Video aufgezeichnet und blind bewertet wurde.
Die kostengünstigen Hämostase-Modelle waren sehr hilfreich für das Erlernen der wesentlichen Fertigkeiten des Chirurgen und des Assistenten bei der manuellen Ligatur. Die Studierenden, die an den Simulatoren geübt hatten, schnitten als Chirurg und Assistent sowie bei den psychomotorischen Fertigkeiten deutlich besser ab, als die Studierenden, die nur das Video gesehen hatten. Erstere führten die Ligatur mit deutlich höherer Präzision ab und handelten tendenziell rascher. Für eine effiziente Freilegung und Isolierung eines blutenden Gefäßes ist trotzdem noch weitere Übung notwendig.
Die Ergebnisse dieser Pilotstudie zeigten, dass das kostengünstige und einfach herzustellende Hämostase-Modell den durch das Video erreichten Lernerfolg steigert und die Studierenden die am Modell erlernten Fertigkeiten direkt am lebenden Tier effektiv anwenden können2. Subjektiven Einschätzungen zufolge sind diese Studierenden des ersten Studienjahres, die an einem Modell geübt haben, hinsichtlich der manuellen Ligatur am lebenden Tier auf dem gleichen oder einem höheren Niveau als die Mehrheit der Studierenden, die mindestens drei herkömmliche (verfahrensorientierte) Laborseminare absolviert haben. Eine nachfolgende, ähnlich aufgebaute Studie zum Lernerfolg einer komplexeren Kombination technischer Fertigkeiten (Hohlorgan-Verschluss) ergab keine deutlichen Unterschiede zwischen den beiden Studierendengruppen. Die Studierenden waren schlecht auf die Schleimhaut-Ausstülpung beim Magen-Verschluss vorbereitet; ein Aspekt, den das Hohlorgan-Modell nicht gut simulierte3. Die verfügbaren Modelle simulieren die reelle Situation nicht vollständig, sodass Erfahrungen am lebenden Tier unter Aufsicht erforderlich sein können, um den Studierenden komplexere Operationstechniken angemessen beizubringen. Es müssen realistischere, lebensechte Modelle entwickelt werden, um die Studierenden besser auf die reale Situation vorzubereiten.
Mein Ziel ist es, einen vollständigen Satz an Lehrvideos und -modellen zu erstellen, die von anderen veterinärmedizinischen Fakultäten leicht übernommen werden können, um die Studierenden besser auf Operationen an lebenden Tieren vorzubereiten. Mit der richtigen Vorbereitung kann der Studierende mehr Zeit dafür nutzen, wichtige Aspekte der chirurgischen Techniken und Verfahren zu lernen. Diese stressfreiere und objektive Methode des Lernens und Bewertens in der Chirurgie sollte letztlich dazu führen, dass weniger Versuche an lebendigen Tieren nötig sind, um kompetente Veterinärchirurgen auszubilden.
Primäres Ziel unseres Chirurgie-Lehrplans ist es, die ethischste und effizienteste Chirurgieausbildung zu bieten, die möglich ist. Im ersten chirurgischen Übungsunterricht des zweiten Studienjahres setzen wir einfache Simulatoren ein. Später bieten Tierkadaver aus ethischen Bezugsquellen eine realistischere Möglichkeit, die grundlegenden chirurgischen Fertigkeiten der Studierenden weiter zu verbessern. Schwer verletzte und kranke Hunde aus unserem lokalen Tierheim, die human eingeschläfert werden, stellen die hauptsächliche Quelle an Tierkadavern für unseren Laborunterricht dar. Zusätzlich beziehen wir Tierkadaver von Tierhaltern, die ihre gestorbenen Haustiere für Unterrichtszwecke spenden. Wenn die grundlegenden Fertigkeiten beherrscht werden, setzen die Studierenden ihre gesammelten chirurgischen Erfahrungen in obligatorischen Praktika ein, die ethisch verantwortliche Sterilisationen/Kastrationen und klinische Operationsfolgen umfassen. Seit die Simulatoren in unseren Lehrplan eingeführt wurden, haben wir weniger Tierkadaver und lebende Versuchstiere benötigt, um sicherzustellen, dass unsere Absolventen die wesentlichen in der Tierarztpraxis erforderlichen chirurgischen Fertigkeiten beherrschen.
Unser Skin and Suture Pattern Simulator (Haut-Simulator für Nahttechniken) wird nun dafür genutzt, unseren Studierenden des zweiten Studienjahres im Kurs ‚Einführung in die Chirurgie' Auge-Hand-Koordination, Nahttechniken und die Prinzipien des ersten Wundverschlusses beizubringen. Der Simulator wurde speziell zur Simulierung von Haut entwickelt, um zu demonstrieren, wie Gewebe auf Nahttechniken reagieren, und um grundlegende Nahttechniken sowie die Handhabung von Operationsbesteck zu lehren. Die Arbeitsoberfläche ist eine flache Gewebeschicht aus Nylon-beschichtetem Polyurethan, die in Dicke und Oberflächengefühl der Haut eines Hundes gleicht. Unter dieser ‚Haut' liegt eine ‚subkutane' Schaumstoffschicht. Alles befindet sich im Gehäuse einer Standard-VHS-Videokassette. Zur Benutzung wird der Deckel des Gehäuses geöffnet, um die ‚Haut'-Oberfläche freizulegen. Gummifüße an der Unterseite des Gehäuses verhindern ein Verrutschen des Simulators bei der Benutzung. Das spezielle Polyurethan-Material reagiert mit Wasser und bestimmten anderen Kunststoffen, sodass der Schutzdeckel nach der Benutzung oder beim Transport wieder zu schliessen ist.
Diese einzigartige laminierte Polyurethan-Oberfläche reagiert beim Nähen wie Weichteil-Gewebe. Ein ungeschickter Umgang mit dem Besteck oder eine zu hohe innere Spannung der Naht führt zum Reißen der empfindlichen Haut. Schnitte in die ‚Haut' können je nach gewählter Nahttechnik zum Umstülpen, Wenden oder anderweitigen Positionieren der ‚Haut' durchgeführt werden. Wenn bei der Simulierung des Nähens der Tastsinn wesentlich ist, d.h. der Durchgang von Nadeln und Nahtmaterial durch lebendiges Gewebe, kann zur ‚Schmierung' von Nadel und Faden Glyzerin verwendet werden. Bei angemessener Sorgfalt kann die Hautoberfläche immer wieder benutzt werden. Der Preis des Simulators beträgt gegenwärtig 32 US-$ zuzüglich Versandgebühr. Zusätzlich werden im ersten chirurgischen Praxisunterricht Hohlorgan-Modelle eingesetzt, um den wasserdichten Verschluss und die Handhabung von Organen mit Haltenähten zu lehren. Im Moment testen wir ein Darm-Modell, komplett mit einer Gekröse-Schicht, für das Erlernen der Darmanastomosetechnik.
An der Ohio State University müssen die Studierenden die Simulatoren als Teil einer Laborunterrichtsausrüstung kaufen. Außerdem enthält diese Ausrüstung Operationsbesteck und -kittel, Handschuhe, Nadeln, Nahtmaterial und Video-Selbstlernprogramme. Wenn die Nahttechnik-Hausaufgaben einer Woche erledigt sind, werden die Simulatoren bewertet und den Studierenden für die nächsten Übungen zurückgegeben. Diese Übungen umfassen die Grundlagen der Handhabung von Operationsbesteck und Nahtmaterial, Knot- und Nahttechniken, Gefäßabbindung und grundlegende Hautverschluss-Fertigkeiten. Im dritten und vierten Studienjahr nutzen die Studierenden diese Simulatoren für Wiederholungsübungen dieser grundlegenden Fertigkeiten, um darin effizienter zu werden, sowie für neue Techniken wie z.B. Intrakutannahttechnik.
Zwar haben die Simuloren die Anzahl der Laborkurse in unserem Lehrplan nicht verringert, aber sie haben die Anzahl der zur chirurgischen Ausbildung verwendeten Tiere drastisch reduziert. Der Skin and Suture Pattern Simulator ist kein Ersatz für das reelle Labor, hat aber für das Erlernen bestimmter chirurgischer Grundlagenfertigkeiten deutliche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Laborerfahrung, und bietet den Studierenden eine hervorragende Vorbereitung auf reelle Operationen in einem fortgeschritteneren Stadium. Mehrere Universitäten innerhalb und außerhalb der USA verwenden diese Simulatoren erfolgreich im Chirurgieunterricht.
Möglichkeiten einer humanen Lernerfahrung am lebenden Tier
Im dritten Studienjahr nehmen die Studierenden an unserem Operationspraxiskurs teil. Dabei steht die Entwicklung grundlegender Fertigkeiten anhand von Modellen, Tierkadavern und schließlich auch Tierpatienten in der Klinik im Vordergrund. Anstatt für die ersten Operationsübungen an lebendigen Tieren eigens gezüchtete Hunde zu benutzen, werden Blindenhunde, Dienst-/Begleithunde und Hunde aus dem Tierheim sterilisiert und kastriert, gesund gepflegt und überwacht, und schließlich vermittelt. Die wichtigsten chirurgischen Grundlagenfertigkeiten und postoperativen Prinzipien können bei Sterilisierungen oder Kastrationen effektiv erlernt werden. Nach dem Operationspraxiskurs können die Studierenden fakultativ an einem Kurs zu Operationsverfahren teilnehmen, in dem viele häufig vorkommende Verfahren (wie z.B. Darmanastomose, Magenfixation, Hautwiederherstellung und Kniegelenkstabilisierung) anhand von ethisch erworbenen Tierkadavern gelehrt werden.
Aufgrund der gewachsenen und komplexer gewordenen Patientenbelastung in der Chirurgie-Abteilung unserer Universitätsklinik können weniger Studierenden im letzten Studienjahr angemessene Praxiserfahrungen im Operationssaal geboten werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, erhielten wir eine Zuwendung von einer Tierschutzstiftung, mit der wir zwei Vollzeitstellen an der Fakultät einrichten konnten, um chirurgische Praktika in regionalen Tierheimen und Tierrechtsorganisationen zu leiten. Während der 5-wöchigen Kleintier-Operationsfolge im letzten Studienjahr verbringen die Studierenden fakultativ 6 Tage mit diesem kooperativen Chirurgieprogramm. Die Studierenden sterilisieren gesunde Katzen und Hunde und reparieren unkomplizierte chirurgische Fälle von bedürftigen Tieren (z.B. Haut- oder mammäre Tumore, Ohrhämatome, Wunden, einfache Augenprobleme).
Jeder Studierende führt ca. 6-8 Operationen durch und arbeitet bei den Operationen seiner Kommilitonen an den Anästhesie-Maßnahmen mit. In den letzten 5 Jahren haben wir über 5000 Tiere sterilisiert und kastriert. Die Vermittlungsrate für diese Tiere erreicht 100 %. Operativ sterilisierte/kastrierte Tiere werden von vielen Tierhaltern bevorzugt und so hat sich die Vermittlungsrate seit Einrichtung dieses Programms nahezu verdoppelt. Dadurch, dass keine unsterilisierten Tiere mehr vom Tierheim vergeben werden, hoffen wir auch zur Verringerung der Überpopulation streunender Haustiere beizutragen.
Zusätzlich zu dieser wertvollen Erfahrung führt jeder Studierende während der zweiwöchigen Weichteil-Operationsfolge ca. 4-6 Prozeduren durch. Zwischen jenen Studierenden, die das kooperative Chirurgieprogramm absolvieren und den Studierenden ohne diese wertvollen Erfahrungen erleben wir drastische Unterschiede im Selbstvertrauen und in den Fertigkeiten.
Zusammenfassung
Unser Chirurgieausbildungsprogramm wird sich mit dem Hauptziel weiter entwickeln, frühe Praxiserfahrungen in höherem Maße anzubieten und die Ausbildung in den Grundlagenfertigkeiten weiter zu verbessern. Wenn die Grundlagenfertigkeiten beherrscht werden, dienen ethisch erworbene Tierkadaver anschließend als hervorragende Subjekte für den Unterricht zu Gewebeschichten und -freilegung, chirurgischer Anatomie und grundlegenden Verschlusstechniken. Schließlich absolvieren die Studierenden ihren ‚Abschluss' mit Operationen an lebendigen Tieren von Tierschutzorganisationen, die sterilisiert oder kastriert werden müssen oder einfache chirurgische Eingriffe benötigen. Ich bin überzeugt, dass unser Ausbildungsprogramm mit den Lernerfahrungen der Modell- und Video-Selbstprogramme, der Tierkadaver und schließlich der Operationen an Tierpatienten die beste ethische Lösung für die Ausbildung von Veterinärmedizinern ist.
Liste der Video-Selbstlernprogramme der Ohio State University
o Smeak, D. D., Beck, M. L.: "Technique of beginning and ending a continuous suture pattern" (VT #2594), 1997. (Das Video wird im Kurs ‚Einführung in die Chirurgie' im zweiten Studienjahr eingesetzt; begleitend zum Video und Modell zu Nahttechniken).
o Smeak, D. D., Beck, M. L.: "Open and closed gloving technique" (VT #2583), 1996. (Das Video wird im Kurs ‚Einführung in die Chirurgie' im zweiten Studienjahr und in den ersten Chirurgie-Praxiskursen eingesetzt).
o Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A., Jenne, B., Sherman, R.: "Buried Continuous Intradermal Suture Closure Technique" (VT #2381), 1992 in Kooperation mit Pitman Moore Inc. produziert. Geprüft und zugelassen von der AVMA, 1993. (In Praktika höherer Semester als alternative Wundverschlusstechnik bei Elektiveingriffen eingesetzt; Erlernen dieser Technik mit Nahttechniksimulator).
o Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A.: "Hollow Organ Closure Technique" (VT #2463), Gewinner des Student Council of the American Veterinary Medical Association Autotutorial Excellence Award, 1991. Aus den Einsendungen aller veterinärmedizinischen Fakultäten in Nordamerika wird ein Selbstlernprogramm ausgewählt. Eine studentische Jury wählt das hinsichtlich von Inhalt, Qualität und Relevanz beste Selbstlernprogramm. (In Praktika höherer Semester sowie im Operationspraxiskurs im dritten Studienjahr eingesetzt; Hohlorganmodell im Kurs ‚Einführung in die Chirurgie' im zweiten Studienjahr).
o Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A.: "Vessel Exposure and Isolation" (VT #2462), 1990. (Einsatz des Videos in Verbindung mit dem Video zu Hämostase-Grundlagentechniken im Operationspraxiskurs und in Praktika höherer Semester zur Darstellung der Technik in der realen Situation).
o Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A., Jenne, B., Sherman, R.: "Basic Hemostatic Technique" (VT #2431), teilweise durch eine Zuwendung der Hildegard Foundation finanziert, 1988; bei der AVMA Convention 1989 vorgestellt. (Im Operationspraktika vor dem Einsatz am lebenden Tier zusammen mit Modellen eingesetzt, um die Auge-Hand-Koordination bei Ligaturen an einem Simulator darzustellen - siehe unten).
o Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A., Jenne, B., Sherman, R.: "The Forehand Stitch, Instrument and Suture Manipulation (Basic Suturing Technique)" (VT #2433), AVMA 1989. (Von Studierenden im zweiten Studienjahr zur Übung motorischer Fertigkeiten für die Nahttechnik und im dritten Studienjahr zur Kontrolle der Übungen am Modell eingesetzt).
Liste der an der Ohio State University eingesetzten Chirurgie-Simulatoren
o Smeak, D. D., Kitchen, B.: Intestinal Anastomosis Simulator (Seminar-, Labor- und Einzelstudenten-Modell). Zur Demonstration im Laborkurs zur Einführung in die Chirurgie eingesetzt; Anastomose-Simulation vor der Operationspraxisübung an lebenden Tieren. Erhältlich bei Sawbones Inc., Seattle, Washington, USA.
o Smeak, D. D., Evenhouse, R.: Hollow Organ Simulator (Seminar-, Labor- und Einzelstudenten-Modell). Zur Demonstration im Laborkurs zur Einführung in die Chirurgie eingesetzt; Gastrotomie-Simulation vor der Operationspraxisübung an lebenden Tieren.
o Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A.: Vessel Ligation Simulator (Labor-Modell). Einsatz im Operationspraxisunterricht an Modellen im dritten Studienjahr. Siehe Quelle 1 - Darstellung der Konstruktion des Modells.
o Smeak, D. D., Evenhouse, R., Shaffer, C. A., Beck, M. L.: Skin and Suture Pattern Simulator (Seminar-, Labor- und Einzelstudenten-Modell). Im Kurs ‚Einführung in die Chirurgie' zur Demonstration von Nahttechniken und -fertigkeiten eingesetzt.
Quellen
1. Smeak, D. D.: Simulator/Media Based Teaching of Basic Surgical Skills. Proceedings of the First Annual International Foundation for Ethical Research Workshop. Alternatives to Live Animals in Veterinary Medical Education, 1989.
2. Smeak, D. D., Beck, M. L., Shaffer, C. A., Gregg, C. G.: Evaluation of video tape and simulator for instruction of basic surgical skills. Vet Surg. 20:30-36, 1991.
3. Smeak, D. D., Hill, L., Beck, M., Shaffer, C. A., Birchard, S. J.: Evaluation of an autotutorialsimulator program for instruction of hollow organ closure. Vet Surg. 23:519-528, 1994.
Über den Autor
Daniel Smeak erhielt seinen Doktor der Veterinärmedizin 1979 an der veterinärmedizinischen Fakultät der Michigan State University. Nach seinem Internship an der Colorado State University begann er eine Facharztausbildung zum Kleintier-Chirurgen an der Ohio State University. Im Anschluss daran erhielt er 1983 eine Anstellung an der Fakultät in Ohio. 1985 wurde er als Fachchirurg von der American College of Veterinary Surgeons zugelassen. Seit 1994 ist er ordentlicher Professor für Chirurgie an der Ohio State University und zurzeit Leiter der Kleintier-Chirurgie. Seine akademischen Hauptinteressen liegen in der chirurgischen Ausbildung der Studierenden und zukünftigen Fachärzte der Veterinärmedizin, sowie in der Weichteil-Chirurgie. Er hat über 15 Video-Selbstlernprogramme und 4 Operationssimulatoren entwickelt. Viele seiner Forschungsprojekte und Publikationen haben Methoden für eine bessere Vorbereitung der Studierenden auf Operationen an lebenden Tieren zum Thema. Auf vielen Veterinärchirurgie-Symposien in Europa, Nordamerika, Korea und Japan tritt er als Hauptsprecher zu diesem Thema auf.
Daniel D. Smeak, Dr. med. vet.
Leiter der Kleintier-Chirurgie
The Ohio State University
College of Veterinary Medicine
601 Vernon L. Tharp Street
Columbus, OH 43210
USA
Tel.: +1 614 292 3551
Fax: +1 614 292 0895
E-Mail: Smeak.1@osu.edu
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