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InterNICHE Co-ordinator
Nick Jukes
42 South Knighton Road
Leicester LE2 3LP
England
Tel/Fax +44 116 2109652
coordinator@interniche.org
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In den 70er Jahren, als ich selbst an der Cambridge University studierte, wurden Fragen wie Respekt vor allem Leben oder die Gewissensfreiheit jedes Studenten in der akademischen Welt kurzerhand abgewiesen und übergangen. Wie alle Studenten im Grundstudium der Naturwissenschaften war ich im Seminarraum für das Praktikum Physiologie plötzlich mit Dutzenden dezerebrierten Kaninchen konfrontiert, die wir als Teil unserer Praxisausbildung sezieren und deren Reaktionen auf Pharmazeutika wir beobachten sollten. Der Wunsch, dass nur ein Kaninchen als Demonstrationsobjekt benutzt oder für zukünftige Seminargruppen ein Film aufgenommen werden sollte, wurde von den Dozenten gar nicht weiter in Erwägung gezogen, sondern sofort vom Tisch gewischt.
Noch beunruhigender als diese unnötige und zügellose Verschwendung von Lebewesen war jedoch das schleichende Bewusstsein, dass mein Enthusiasmus und meine Begeisterung für die Wissenschaft sehr schnell meine Bedenken zu überlagern begann. Das war der Anfang eines Desensibilisierungsprozesses, dem jeder Student der Biowissenschaften ausgesetzt ist, wenn er mit herkömmlichen, tierverbrauchenden Verfahren ausgebildet wird. Teil dieses Lernprozesses war es, ob man wollte oder nicht, in Tieren nur noch den instrumentellen Wert zu sehen, anstatt ihren Eigenwert als Lebewesen. Mit der Zeit konnte ich mich nicht mal mehr an den Zweck und das Lernziel vieler solcher Seminare erinnern, bei denen Tier-‚Präparate' verwendet wurden. Hingegen erinnere ich mich sehr gut und ganz bewusst an andere Praktika, in denen wir Studenten harmlose Selbstversuche durchführten, um wichtige physiologische Prinzipien zu demonstrieren.
Wenn man sich öffentlich für eine Sache einsetzt, die einem wichtig erscheint, besonders dann, wenn dafür ein Paradigmenwechsel auf intellektueller und soziokultureller Ebene notwendig ist, kann man angesichts des scheinbar nur schleppenden Fortschritts sehr leicht entmutigt werden. Wertvolle Bemühungen um eine Veränderung des Status Quo treffen häufig auf unerbittlichen Widerstand aufgrund von starken Gewohnheiten, fehlender Einsicht und dem Unwillen der meisten Menschen, ihre bequemen eingefahrenen Gleise zu verlassen.
Menschen, die an die Möglichkeit einer humanen Ausbildung in den Biowissenschaften glauben - ein Konzept des Lehrens und Lernens, das Tierleid vermeidet und kritische Meinungen nicht erstickt - fühlen sich sicherlich hin und wieder entmutigt. Studenten, die den Studiengang wechseln müssen oder schlecht bewertet werden, weil ihnen keine Alternativen zu invasivem Tiergebrauch angeboten werden, sowie Lehrende, die versuchen, die Art und Weise der biowissenschaftlichen Lehre zu verbessern, haben vielleicht den Eindruck, dass das vorherrschende Lehrmodell sich niemals ändern wird.
Mit meiner mehr als 20-jährigen beruflichen Erfahrung im Bereich Alternativen zum Tierverbrauch in der Wissenschaft kann ich jedoch eine ganz andere Aussicht bieten. Eine dramatische Entwicklung im Denken, in der Einstellung und Praxis gegenüber dem Tierverbrauch in der biowissenschaftlichen Lehre hat bereits stattgefunden. Heute kann die Frage des Gewissens und des Respekts vor dem Leben in akademischen Kreisen diskutiert werden, ohne Spott oder brüske Ablehnung fürchten zu müssen. Auch kann man von seinem Mitgefühl mit dem Leiden anderer Lebewesen sprechen, ohne als überempfindlich abgetan zu werden.
Studenten mit Gewissen haben heute nicht mehr nur die Wahl zwischen Tierverbrauch und Selbstversuch, oder zwischen Anpassung und Studienabbruch bzw. -wechsel. Es gibt eine leistungsstarke Palette an hochentwickelten Tools für eine humane Ausbildung, von Operationsmodellen bis hin zu interaktiven Multimedia-Softwarepaketen auf CD-ROM. Damit können tierverbrauchende Praktika in Fächern wie Anästhesie, Intensivpflege, Anatomie, Chirurgie, Physiologie, Pharmakologie und anderen ersetzt werden. Weiterhin können, wenn echte Tiere für bestimmte Lernziele unabdingbar sind, die herkömmlichen Laborpraktika mit Tierversuchen durch die Verwendung von ethisch erworbenen Tierkadavern oder durch Heilungseingriffe an Tierpatienten ersetzt werden.
Diese neue Auflage von Vom Versuchstier zur Computermaus ist weit mehr als ein Katalog von Produkten, die für eine humane und fortschrittliche Lehre von Biowissenschaften zur Verfügung stehen. Neben der Beschreibung der tierverbrauchsfreien Lehrmethoden bietet es intelligente, originelle und gut argumentierte Essays, in denen dargelegt wird, warum und wie die herkömmlichen Lehrmethoden zu Gunsten von Studenten, Lehrenden, Tieren und den Biowissenschaften verändert werden sollten. Aber dies ist nicht nur ein Ziel für die Zukunft: In vielen Hochschulen weltweit haben sich die Lehrpläne bereits verändert, sodass tierverbrauchsfreie oder tierfreundliche Lehrmethoden schon heute breite Anwendung finden. So zeigen die Jahresstatistiken der letzten 10 Jahre z.B. für Großbritannien einen Rückgang in der Verwendung von Tieren um zwei Drittel (von 12.000 Prozeduren im Jahr 1991 auf 3.760 im Jahr 2001).
In diesem Buch werden Sie auf nahezu jeder Seite neue Informationen, Innovationen und Inspirationen finden. Herausgeber und Mitwirkende schreiben - in einer wahrhaft internationalen Zusammenarbeit - mit einer reizvollen Mischung aus Intellekt und Idealismus. Von Erläuterungen der verschiedenen Arten tierverbrauchsfreier Methoden und Bewertungen ihres Lernerfolgs bis hin zu persönlichen Erfahrungen bei der Entwicklung tierverbrauchsfreier Verfahren und humaner Lehrpläne, stellen Umfang und Inhalt des Buches althergebrachte Annahmen in Frage und zeigen eine neue Wirklichkeit auf.
Gleichzeitig zur wachsenden Akzeptanz tierverbrauchsfreier Lehrmethoden in den Biowissenschaften gab es eine ähnliche Entwicklung in der biomedizinischen Forschung. Hier werden Tiere in hohem Maße benutzt, insbesondere als ‚Modelle' zur Untersuchung menschlicher Krankheiten und zur Entwicklung von Behandlungen, aber auch für Unschädlichkeitsprüfungen von Medikamenten, Industrie- und Haushaltschemikalien, Pestiziden und gentechnisch veränderten Lebensmitteln. Jedoch wird die Verlässlichkeit der aus solchen Versuchen gewonnenen und auf den Menschen übertragenen Daten und deren Relevanz für den Menschen ernsthaft in Frage gestellt. Es ist ein wachsendes Interesse an der Entwicklung neuer Verfahren unter Einsatz neuester Erkenntnisse und hochmoderner Technologie zu verzeichnen, die nicht nur einen Ersatz, sondern eine Verbesserung gegenüber den Tierversuchen bieten können. Moleküluntersuchungen, die Verwendung von Zellkulturen, In-vitro Verfahren sowie endemische und klinische Studien bieten humane und multidisiziplinäre Wege zum Fortschritt.
Das Ziel einer humanen Ausbildung ist also Teil eines breiteren Kontextes: Die Weiterentwicklung zu einer Wissenschaft, in der andere Lebewesen zunehmend als fühlende Mitgeschöpfe anerkannt werden, die ein Recht auf Unversehrtheit haben. Lehre und Forschung sind hierbei positiv miteinander verknüpft: Wenn immer mehr Studenten der Biowissenschaften ihren Abschluss mit noch intakter Mitleidensfähigkeit erlangen, und darin bestärkt, andere Lebewesen wertzuschätzen und traditionelle Lehrsätze zu hinterfragen, werden immer mehr von ihnen nach Berufsbildern und Arbeitsplätzen streben, die diese Grundsätze widerspiegeln. Als junge Forscher werden sie sich wahrscheinlich Einsatzbereiche suchen, in denen sie Tiermissbrauch vermeiden können, sodass ihre Ideale und Kreativität in hohem Maße der Weiterentwicklung der tierversuchsfreien Forschung und Unschädlichkeitsprüfung zu Gute kommen werden.
Paradigmenwechsel in der Gesellschaft sind ohne größte Bemühungen und vollen Einsatz kaum möglich.
InterNICHE, die Organisation, die dieses Buch herausgibt, hat unermüdlich gekämpft und gearbeitet; mit Studenten und Dozenten, die bereit waren, zuzuhören, und die ihrerseits von InterNICHE und dessen Vision inspiriert wurden.
Oftmals kann, entgegen allen Erwartungen, eine einzige Person am rechten Ort und zur rechten Zeit, erstaunliche und nie dagewesene Erfolge bewirken. Eine Handvoll solcher Menschen haben zu diesem Buch beigetragen. Andere werden es lesen und ihrerseits angeregt werden, ihre ‚eingefahrenen Gleise' zu verlassen und ihren Beitrag zu leisten: Für eine humane Ausbildung und Praxis in den Biowissenschaften.
Dr Gill Langley, MA (Master of Arts), Dr. phil. (Cambridge University) MIBiol CBiol (Member of the Institute of Biology und Chartered Biologist)
Wissenschaftliche Beraterin der Dr Hadwen Trust for Humane Research

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