Wir definieren Alternativen als Lehrmaterialien oder Lehrmethoden, die den Tierverbrauch ersetzen oder die existierende humane Ausbildung ergänzen.

Humane Ausbildung in den Naturwissenschaften bedeutet:

Lesen Sie dazu auch unsere Kritik am Tierverbrauch

  • eine fortschrittliche Ausbildung, in der unter Nutzung humaner alternativer Methoden die Lehrziele erreicht werden
  • dass Tiere nicht verletzt werden und Studierenden Gewissensfreiheit zugestanden wird
  • eine Ausbildung, die eine ganzheitliche Wahrnehmung und den Respekt gegenüber allem Leben unterstützt und anregt

Klassen von Alternativen

Modelle und Simulatoren
Film und Video
Multimediale Computersimulation
Studentische Selbstexperimente
Tierkörper-Spendenprogramm
Klinische Praxis
In-vitro Labor

Modelle und Simulatoren

Diese reichen von preisgünstigen Modellen und chirurgischen Trainingsgeräten bis hin zu computerisierten Phantomen. Grundmodelle können anatomische Studien oder die Behandlung von Tieren unterstützen ohne bei Tieren Stress oder ohne Ängste bei Studierenden auszulösen. Die breite Spanne erhältlicher chirurgischer Trainingsgeräte umfasst Modelle der Haut, der inneren Organe und der Gliedmaßen und bieten den Studierenden die Möglichkeit, Fähigkeiten wie Hand-Auge-Koordination, die Benutzung von ärztlichen Instrumenten und Techniken wie z.B. das Nähen von Wunden zu erlernen und zu verbessern. Das Training an ‚Restorganen’ ermöglicht die Nutzung von echtem Gewebe. Komplexere Produkte sind Phantome, die genutzt werden, um Erste-Hilfe-Maßnahmen, Intubation oder den Umgang mit Kathetern sowie die Intensivversorgung von Wiederbelebung bis zur Pleurapunktion zu vermitteln und zu erlernen. Computerisierte Modelle bilden eine weitere Stufe an Komplexität bei der Unterstützung einer effektiven Ausbildung der Studierenden.
 

Film und Video

Passiv aber effektiv, können Filme und Videos als Teil des Lernprozesses gute Hintergründe bieten und eine qualitativ hochwertige visuelle Alternative darstellen. Videos von professionell vorgenommenen Sezierungen können den Studierenden oft mehr Informationen liefern, als Sezierungen, die von Studierenden selbst vorgenommen werden und können diejenigen Studierenden vorbereiten, die entsprechende Fertigkeit erlernen müssen, bevor sie dann an unter ethischen Gesichtspunkten ausgewählten Tierkörpern selbst sezieren.

Multimedia-Computersimulation

Die Möglichkeiten, die sich durch die Entwicklung von Computer-Software für eine effektive Ausbildung in den Lebenswissenschaften ergeben, haben innerhalb der letzten Jahre exponentiell zugenommen. Von virtuellen Sektionen, die Studierende am Bildschirm vornehmen können, bis hin zu echten virtuelle Realität-Simulationen klinischer Techniken mit 3-D und Tastmöglichkeiten, gibt es lediglich technische und imaginäre Grenzen. Computerunterstütztes Lernen kann auch eine breitere und mehr in die Tiefe gehende Lernerfahrung bieten. Beispielsweise kann die Morphologie verschiedener Spezies mit nur einem Mausklick verglichen, oder die Histologie und andere Wissensgebiete in den praktischen Unterricht einbezogen werden. Ein Bild kann vergrößert oder verkleinert werden, Blutkreislauf oder Nervensystem wegretuschiert oder dreidimensional hervorgehoben werden, Muskeln können aktiviert und sogar die Durchsichtigkeit von Organen kontrolliert werden, um den Aufbau und strukturelle Beziehung besser zu verstehen. Die verbesserte sensorische Wahrnehmung und der Grad an Kontrolle der neuen Software unterstützt effektives und qualitativ hochwertiges Lernen. Einige Programme enthalten virtuelle Labore und die Möglichkeit, verschiedene Experimente durchzuführen. Andere Programme können von den Dozenten an die Umgebung und die Lehrziele angepasst werden. Studierende können ihre eigene Arbeitsgeschwindigkeit finden und danach arbeiten, Teile der Übung wiederholen und die unterstützenden Materialien nutzen, bis sie mit dem Wissen und der Technik vertraut sind und so selbständig arbeiten können, wie der Kurs es verlangt. Die Innovationen der neuen technologischen Entwicklung sind interessant und können deshalb zur Lernerfahrung der Studierenden beitragen und sind ein wichtiger Bestandteil ihres freiwilligen Trainings für Berufe, in denen IT- und Computerkenntnisse eine wichtige Rolle spielen werden. Wann immer es möglich ist, sollten Computersimulationen zusammen mit der Erfahrung an lebenden Menschen und nichtmenschlichen Tieren als ein wichtiges Werkzeug und nicht als eine Alternative zur Realität genutzt werden.
 

Studentische Selbstexperimente

Für Zoologen, Medizin- und Veterinärmedizinstudenten kann die Wichtigkeit praktischer Arbeit am lebenden Körper nicht überbetont werden. Das effektive Verständnis physiologischer Prozesse kann nur erworben werden, wenn wenigstens ein wenig Erfahrung am lebenden Körper gemacht werden kann. Der zustimmende Studierende ist ein ausgezeichnetes Versuchsobjekt, studentische Selbstexperimente sind nicht-invasiv und eine humane Alternative. Natürlich ist der menschliche Körper das Referenzobjekt für Medizinstudenten und Selbstexperimente sind in vielen Instituten Teil der normalen Praxis. Der menschliche Körper kann jedoch in allen Lebenswissenschaften genutzt werden. Entsprechende Übungen reichen von einfachen Experimenten wie der Einnahme eines harntreibenden Mittels oder das Vornehmen von Übungen und der anschließenden Überwachung der physiologischen und biologischen Veränderungen, bis hin zu komplexeren Tests wie zum Beispiel dem Messen der Geschwindigkeit der Leitung von Nerven mit Hilfe von Selbstexperimentationsgeräten, die mit entsprechender Computersoftware verbunden sind. Die intensive Involvierung und Selbstreferenz solcher Experimente machen diese unvergesslich und interessant.
 

Unter ethischen Gesichtspunkten ausgewählte Tierkörper

Für viele Zoologiestudenten und alle zukünftigen Veterinärmediziner wären die Anatomiestudien ohne einige praktische Erfahrung mit Tieren oder Tiergewebe unvollständig. Ebenso wäre ein chirurgisches Training nicht ausreichend, wenn wirkliche Erfahrungen mit tierischem Gewebe fehlten. Ethische Alternativen dazu gibt es natürlich: Besonders zu nennen ist dabei die Verwendung von unter ethischen Gesichtspunkten ausgewählten Tierkörpern. „Unter ethischen Gesichtspunkten ausgewählt“ bedeutet, dass die Tiere nicht gezüchtet oder getötet werden, um Körper oder Tiergewebe für praktische Übungen darzustellen, noch wird ein „Markt“ für solche Zwecke produziert oder unterstützt. Beispiele für unter ethischen Gesichtspunkten ausgewählt sind z.B. Tiere, die eines natürlichen Todes oder bei Unfällen gestorben sind, oder aus wirklich medizinischen Gründen eingeschläfert wurden. Tierkliniken und Bauernhöfe sind dabei zwei mögliche Quellen und einige Veterinärmedizin-Colleges haben bereits Verbindungen zu Kliniken, von denen sie entsprechende Tierkörper erhalten. Auch die große Zahl privater Tierarztpraxen bietet ein großes Potenzial an solchen ethisch unbedenklichen Tierkörpern. Die Zunahme sogenannter „Tierkörperspenden-Programme“ macht deutlich, dass der gesunde Menschenverstand dafür spricht, auch vermeintliche „Abfallprodukte“ zu nutzen. Die Aufgabe der entsprechenden Institutionen ist es, die richtigen Verbindungen herzustellen und beständige organisatorische Strukturen zu schaffen, um die Quellen für ethisch unbedenkliche Tierkörper effektiv zu nutzen. Die Institutionen müssen auch zeigen, dass sie die ihnen zu Lehrzwecken überlassenen Tiere auf eine respektvolle und ethisch korrekte Weise behandeln.
Mehr zum Tierkörperspenden-Programm/ Body Donation Program

Klinische Praxis

Es wird erwartet, dass die Ausbildung von Medizinstudenten Erfahrungen mit echten Patienten umfasst. Je mehr Erfahrung – auf dem richtigen Niveau und zur richtigen Zeit – desto besser ist das Training. Von der Physiologie zur Pathologie und Chirurgie, kann eine Lehre, die Erfahrungen mit Patienten einbezieht, zu einer realistischen und passenden Ausbildung beitragen. „Problemorientiertes Lernen“ mit wirklichen klinischen Fällen, wird auch als ein starker Lehransatz anerkannt.
Diese Botschaft ist besonders für diejenigen Institute wichtig, wo im Rahmen der human-medizinischen Ausbildung noch immer Tierversuche im Labor vorgenommen werden. Für die veterinärmedizinische Ausbildung, bei der Tiere das Referenzobjekt darstellen, sind klinische Übungen ebenfalls eine humane Alternative zu Tierversuchen. Viele Veterinärmedizin-Colleges verfügen bereits über Verbindungen zu Tierkliniken, um solche praktischen klinischen Übungen anbieten zu können. Dieser Ansatz ermöglicht eine Ausbildung, die viel näher am wirklichen klinischen Betrieb ist, in den die Studierenden nach ihrer Ausbildung eintreten werden. Nachdem die Studierenden den sicheren Umgang mit Tieren und grundlegende klinische Fertigkeiten erworben haben, können sie allmählich von einem qualifizierten Veterinärmediziner in chirurgische Übungen eingeführt werden. Ein langsam gesteigerter Grad an Beteiligung an Operationen wie Kastrationen und Sterilisationen – zwei der häufigsten Operationen, die graduierte Veterinärmediziner vornehmen müssen – kann die Erfahrung, das Vertrauen und die Fähigkeit, die notwendig sind, vermitteln. Das Kastrieren streunender und anderer Tiere ist eine soziale Notwendigkeit, die Möglichkeiten zu einem Lernen solcher Operationen bietet. Studierende können auch an anderen hilfreichen Operationen teilnehmen. Besonders bedeutend ist, dass die klinische Praxis den Studierenden die Beteiligung am gesamten Prozess sichert: von der Operation zur postoperativen Nachversorgung bis zur Genesung des Tieres. Dies richtet den Fokus auf die Hilfe für die Tiere – auf deren Heilung statt auf deren Verletzung.
 

In-vitro-Labor

Die schnelle Entwicklung und Zunahme der in-vitro-Technologie in Forschung und Testung, muss dadurch unterstützt werden, dass Studierende mit diesen Techniken vertraut sind. Durch in-vitro-Übungen können diese Erfahrungen besser gelehrt als in-vivo-Übungen, tierisches Gewebe sollte nach den genannten ethischen Gesichtspunkten ausgewählt werden. Außerdem kann die Verwendung von tierischem Gewebe direkt durch die Verwendung von Pflanzenmaterial ersetzt werden: um z.B. Zellatmung oder Elektronentransport zu untersuchen, können Mitochondrien aus Hefe, Kartoffeln oder Rüben gewonnen werden anstatt der sonst dazu genutzten Rattenleber.
 


Weitere Hilfsmittel

Sehen Sie sich das InterNICHE Video: Alternatives in Education an, auf dem einige der Alternativen von Dozenten demonstriert werden. Nutzen Sie auch das InterNICHE Alternativen-Ausleihsystem, um Alternativen zu testen.